Sinnvoll zu betrachten. Geshe Kelsang Gyatso
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EINE ERKLÄRUNG DES NUTZENS VON BODHICHITTA
Wie bereits angedeutet, ist die erhabene Methode, dieser seltenen und kostbaren menschlichen Wiedergeburt einen Sinn zu verleihen, sie als Fahrzeug für das Erlangen der perfekten und vollendeten Erleuchtung zu benutzen. Ein geringeres Ziel anzustreben hieße, diese einzigartige Möglichkeit zu verschwenden. Da die Erlangung der Erleuchtung von der Erzeugung des Erleuchtungsgeistes, Bodhichitta, abhängt (d.h. der Motivation, diesen voll erwachten Zustand zu erlangen, um damit die beste Möglichkeit zu haben, andere Lebewesen aus ihrem Leiden zu befreien), ermutigt uns Shantideva, diesen Erleuchtungsgeist zu entwickeln und beschreibt dessen großen Nutzen. Der große Nutzen besteht aus den folgenden zehn überragenden Vorteilen des Erleuchtungsgeistes:
DIE ÜBERWINDUNG ALLER NEGATIVITÄT
[5] Genau wie ein plötzlicher, starker Blitzschlag in einer dunklen Nacht die Landschaft kurz erhellt, so bewirken die kraftvollen Segnungen Buddhas, daß weltliche Menschen zumindest für kurze Zeit die Absicht entwickeln, tugendhafte Handlungen auszuführen.
[6] Normalerweise sind die Tugenden weltlicher Menschen sehr schwach, während ihr Instinkt, nichttugendhafte Handlungen auszuführen, sehr stark ist. Deshalb müssen wir ständig danach streben, die Macht zu überwinden, die dieses Übel der Nichttugend auf uns ausübt, und sie durch eine kraftvolle Praxis von tugendhaften Handlungen zu ersetzen. Unternehmen wir jedoch nichts, um unsere gegenwärtige Situation zu korrigieren, werden die Leiden Samsaras unsere einzige Erfahrung sein. Was ist die beste Methode, Negativität aufzugeben und Tugend anzusammeln? - Wir müssen danach streben, den kostbaren Bodhichitta zu erlangen. Nur dieser Geist hat die Kraft, Negativität zu überwinden und unsere Tugend reichlich zu vermehren. Was außer dem grenzenlosen Geist des Bodhichittas hat sonst die Fähigkeit, so große Negativität zu besiegen? Gründliches Nachdenken über diese Punkte wird uns klar zeigen, daß wir unbedingt Bodhichitta entwickeln müssen.
DIE ERLANGUNG VON HÖCHSTEM GLÜCK
[7] Es gibt generell viele Wege, fühlenden Wesen zu helfen. Die Buddhas aber, die Äonen damit verbracht haben, um die beste Methode, anderen zu helfen, herauszufinden, sagen, daß die Entwicklung des Bodhichittas die unübertroffene Methode ist. Warum? Weil wir mit der Entwicklung von Bodhichitta nicht nur selbst das höchste Glück der Buddhaschaft erlangen können, sondern auch fähig werden, eine unendliche Zahl von fühlenden Wesen zur unvergleichlichen Glückseligkeit dieses erhabenen Zustandes zu führen. Wenn wir den makellosen Nutzen und die Vorteile erkennen, die Bodhichitta sowohl für uns selbst wie auch für andere hat, sollten wir danach streben, Bodhichitta zu erlangen.
DIE ERFÜLLUNG ALLER WÜNSCHE
[8] Ein weiterer Nutzen, der durch das Entwickeln von Bodhichitta entsteht, ist, daß alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Wollen wir von den vielen Qualen Samsaras erlöst sein und das Unglück anderer vertreiben, so können wir mit Bodhichitta diese Ziele erreichen. Zusätzlich erfüllt Bodhichitta den Wunsch aller Wesen - auch unseren eigenen - nach grenzenlosem und unermeßlichem Glück. Da dieser Erleuchtungsgeist alle unsere Wünsche erfüllt, rät uns Shantideva, über seinen großen Nutzen nachzudenken und ständig danach zu streben, ihn zu erlangen.
BODHICHITTA FÜHRT ZU EINEM BESONDEREN NAMEN UND BESONDERER BEDEUTUNG
[9] Shantideva sagt, daß jeder, der Bodhichitta entwickelt, als Sohn der Buddhas bezeichnet wird (wörtlich als Sohn der Sugatas: derjenigen, die zur Glückseligkeit gegangen sind). Eine Person mit dieser Eigenschaft wird zu jemandem, der der Verehrung sowohl durch die weltlichen Götter - Brahma, Indra und so fort - als auch der gesamten Menschheit würdig ist, einschließlich der Könige und Königinnen von hohem Stand. Es spielt keine Rolle, ob die Person, die Bodhichitta entwickelt, ein armer, in Lumpen gekleideter Bettler ist. Durch die Entwicklung des Erleuchtungsgeistes wird auch er zu jemandem, der höchste Verehrung verdient.
Es ist wichtig, uns daran zu erinnern, daß wir kein Mönch oder von aristokratischer Herkunft sein und daß wir auch keinen männlichen Körper besitzen müssen, um Bodhichitta zu entwickeln. Obwohl Shantideva den Titel «Sohn der Buddhas» gebraucht, hat dieser keine einschränkende Bedeutung. Wenn eine Frau den Erleuchtungsgeist entwickelt, nennt man sie eine Prinzessin oder Tochter der Buddhas und auch sie wird eine Person, die von allen Göttern und Menschen verehrt werden sollte.
Weshalb verleiht die Entwicklung von Bodhichitta einem Menschen Anspruch auf so großen Respekt? Weil alle Buddhas - die voll erleuchteten Wesen, von denen das höchste Glück stammt - aus Bodhisattvas geboren wurden. Sie tragen diesen Namen wegen ihrer Bodhichitta-Motivation, d.h. ihrer Absicht, die volle Erleuchtung zum Wohl aller Lebewesen zu erlangen. Buddhas entstehen also aus Bodhisattvas, die ihrerseits wiederum aus Bodhichitta entstehen.
Um den unübertroffenen Wert von Bodhichitta herauszustreichen, sagte Buddha Shakyamuni, daß es noch wichtiger sei, sich vor einem Bodhisattva - jemandem, der Bodhichitta erzeugt hat - zu verbeugen oder ihm seine Verehrung zu erweisen, als sich vor einem Buddha zu verbeugen. Er erklärte dies am Beispiel des zunehmenden Mondes. Wenn man sich vor dem Neumond verbeugt, ist es dasselbe, als würde man sich vor jeder Phase des Mondes zwischen Neu- und Vollmond verbeugen. Weshalb? Weil wir dadurch, daß wir einer Ursache Verehrung erweisen, indirekt auch jeder der nachfolgenden Auswirkungen Respekt zollen. Wenn wir uns also vor einem Bodhisattva verbeugen, erweisen wir implizit allen zukünftigen Entwicklungsstufen bis einschließlich der Erlangung der Buddhaschaft unsere Verehrung. Aus diesen Gründen ist Bodhichitta sehr kostbar, und jede Person, die diesen Geist entwickelt, verdient Verehrung.
Der große indische Pandit Atisha hatte viele Lehrer, und von ihnen bekam er viele Unterweisungen über die Entwicklung von Bodhichitta. Aber diese genügten ihm nicht, und deshalb unternahm er eine gefährliche Reise nach dem heutigen Indonesien, um Unterweisungen vom berühmten Meister Serlingpa (Suvarnadvipa) zu erhalten. Die beschwerliche Reise dauerte dreizehn Monate lang, aber von diesem Meister konnte Atisha fehlerlose und vollständige Anweisungen über die Methode zur Entwicklung des Erleuchtungsgeistes erhalten.
Obwohl Atisha mehr als 150 Lehrer hatte, bezeichnete er Serlingpa als seinen Wurzel-Guru. Selbst viele Jahre später als er in Tibet war, stand er sofort von seinem Sitz auf und machte Verbeugungen, wenn er auch nur den Namen seines Wurzel-Gurus hörte. Die Tibeter bemerkten, daß er dies für keinen anderen seiner Lehrer tat, und fragten ihn nach dem Grund. Er antwortete, daß er durch die Anweisungen, die er von Meister Serlingpa erhalten habe, erkannt hätte, wie der kostbare Bodhichitta entwickelt werde. Für Atisha, der großes Wissen besaß, war Bodhichitta erhaben. Deshalb verehrte er Serlingpa mehr als alle seine anderen Lehrer.
UMWANDLUNG DES MINDERWERTIGEN ZUM HOCHWERTIGEN
[10] Die Alchimisten behaupten, daß es ein besonderes Elixier gebe, das die Kraft besitze, gewöhnliche Metalle in Gold umzuwandeln. Wenn wir Bodhichitta entwickeln und praktizieren, wird unser unreiner menschlicher Körper auf ähnliche Weise in das unbezahlbare und beispiellose Juwel eines heiligen Buddha-Körpers umgewandelt.
Über diesen Punkt meditieren wir auf folgende Weise: Zuerst denken wir immer wieder über die Unreinheit des menschlichen Körpers nach und stellen fest, wie wenig erstrebenswert es ist, ständig in solch grober und unreiner Form wiedergeboren zu werden. Wir sollten jede Art von Begehren, das wir für diesen gewöhnlichen menschlichen Körper haben, aufgeben und statt dessen an die Kostbarkeit des transzendenten Buddha-Körpers denken. Wir müssen den starken Wunsch entwickeln, diese heilige Form zu erlangen, und wir müssen uns überlegen, durch welche Ursachen wir ihn erlangen. Wenn