Mein Lieber Sohn und Kamerad. Eberhard Schiel

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Mein Lieber Sohn und Kamerad - Eberhard Schiel

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und ohne bei der Brautwahl die erste beste nehmen zu müssen? - Meine freie Zeit gehört nicht allein meinem Verein, sondern in einem Wort gesagt, dem Vaterland, nämlich dem Roten Kreuz, der Jugendkompanie, dem Verein. Ich könnte gut meinen Sonnabend der Wehrloge widmen. Ob ich Herrn Diete aber nicht erzürne, wenn ich, ohne ihm Mitteilung zu machen, Wehrtempler werde? Ich frug gestern Erich, welches seine Meinung sei, ob ich eintrete oder nicht. Da sagte er: "Ich sage nein, ich sage ja-nein kann ich nicht sagen, deshalb sage ich nichts." Aber es wird sich schon finden.

      Mein lieber Junge! Als ich einst von Dir ging, sah ich darin den letzten Weg, denn Du warst für mich, wie man sagt, ungenießbar geworden. Daß ich mit schwerem Herzen und bangen Sorgen für die Zukunft dieses letzte Mittel ergriff, kannst Du Dir jetzt denken. Daß ich einen Meineid beging, wußte ich noch nicht. Bedauert habe ich, daß Du damals mit den Schlechten in der Fabrik einen Bund geschlossen hast und so die beiden Parteien entstanden. Erst als in der Bibelstunde in Herrn Dietes Wohnung Du die Frage stelltest, ob die Liebe zu Gott so groß sein könne, so daß dadurch einem Verbrecher vergeben wird, da wußte ich es. Das Verbrechen ist ein Meineid und den Meineid hast Du begangen. Es war mir wie ein Stich ins Herz. Ich wollte mit Herrn Diete Rücksprache nehmen, getraute es mir aber nicht. In dieser Gewissensangst wandte ich mich an Gott und langsam zog wieder Ruhe bei mir ein. Folgendes Gebet finde ich in meinem Tagebuch: "10.XI.13, O laß diesen Menschen, in dem so viele Talente schlummern, nicht zu Grunde gehen, laß ihn auch nicht aus unserm Verein. Wenn er vorläufig auch mit dem Ausschuß der Menschheit verkehrt, wenn er älter und verständiger geworden ist, dann zeig uns Wege, damit wir einander wieder näher kommen." - So, nun weißt Du, wie ich über die Angelegenheit denke und dachte.

      Es grüßt Dich

      Dein getreuer Otto

      STELLUNGSKRIEG IM WESTEN; BEWEGUNGSKRIEG IM OSTEN: 1915-1916

      Während die Generalstäbler nach immer neuen Modellen suchen, um einen entscheidenden Durchbruch an der sich festgefahrenen Westfront zu erzielen, richten sich ihre Soldaten im Stellungskrieg an der Somme häuslich ein. Die Deutschen entwerfen ein System von Schützengräben, Laufgräben, sorgfältig ausgebauten Befestigungsanlagen, mit tiefen unterirdischen Gängen und dickwandigen Bunkern versehen, das praktisch zu einem uneinnehmbaren Bollwerk wird. Wenige Kilometer dahinter, in den Ruhestellungen, entstehen kleine Druckereien. Sie geben eine Schützenzeitung heraus, sorgen für eine Bibliothek und fertigen Plakate für das Frontkino an. Das Fronttheater Wiesbaden kommt zu Besuch. Außerdem vertreibt man sich die Langeweile mit dem Briefeschreiben und Führen von Tagebüchern. Die Geselligkeit bricht oft abrupt zusammen, wenn das grausame Geschehen an der Front wieder die Soldaten zu den Waffen ruft. Vor allem bei Ypern, im Artois und in der Champagne gibt es zahlreiche Opfer. Abgesehen von den hohen Verlusten gewinnt keine Seite einen entscheidenden Vorteil dabei. Diese nüchterne Konstellation ruft wiederum die Politiker auf den Plan. Sie unternehmen auf den diplomatischen Kanälen viele Versuche zur Zerstörung des etwa gleichen Kräfteverhältnisses. Die Folgen sind unabsehbar. In den Krieg greifen nun auch die Türkei, Italien, Bulgarien und Rumänien ein. Während die italienischen Truppen gegen die der Österreicher in den Alpen nicht weiterkommen, werden Serbien und Rumänien von den Mittelmächten vernichtend geschlagen. Und die Russen ziehen sich 400 km tief ins Innere des Landes zurück, ohne dabei eine entscheidende Niederlage quittieren zu müssen.Anfang 1915 beginnt die erste Phase des deutschen U-Boot-Krieges. Diese moderne Waffengattung ist nicht ohne Bedeutung für das Kriegsgeschehen, aber eine grundlegende Wende bringt sie nicht. Dazu sind die wirtschaftlichen Ressourcen der Weltmacht England zu groß. Außerdem birgt der Einsatz der U-Boote das Risiko in sich, zusätzlich Konflikte mit neutralen Staaten zu schüren. Darum wird die Trumpfkarte des deutschen Admiralsstabes auch nach Protesten der betroffenen Länder mehrmals im Ärmel stecken gelassen. Als beispielsweise am 7. Mai 1915 die "Lusitania" versenkt wird, sterben 1198 Menschen, darunter 128 Amerikaner, was Deutschland eine zornige Protestnote des amerikanischen Präsidenten Wilson einbringt. Er warnt die Deutschen eindringlich, nicht mit dem Feuer zu spielen. Doch wer von den Gromächten spielte damals nicht mit dem Feuer. Die "Lusitania", ein Schiff der britischen Cunard-Linie, führte nachweislich Kriegsmaterial an Bord. Obendrein wurde es vor dem Auslaufen in New York dringend gewarnt, nicht die gefährdete Zone anzusteuern. Das ist allerdings kein Alibi für die Opferung unschuldiger Menschen. Mit solchen Manövern prvozierte der deutsche Generalstab buchstäblich die Armeen der Alliierten, wie der weitere Verlauf des Weltkrieges bestätigen sollte.

      Im Dezember 1915 bereiten die Alliierten den Feldzug für das kommende Jahr vor, nach dem einen Monat zuvor in Chantilly vereinbart wurde, von nun an die militärischen Operationen zu koordinieren. Noch immer hält man an der törichten Taktik fest, in einer groß angelegten Offensive den Durchbruch an den klug gestaffelten deutschen Linien zu schaffen. Hauptschauplatz des Krieges soll der Abschnitt an der Somme sein. Die Offensive an dieser Front wird mit gleichzeitigen Angriffen an der russischen und der italienischen Front einhergehen.Auch das deutsche Heer zieht neue Pläne aus der Schublade. Sie taugen ebenso wenig wie die vorigen. Zudem spricht aus ihnen blanker Zynismus. Der Chef des deutschen Generalstabes Falkenhayn heckt den diabolischen Plan des "Weißblutens" aus. Die Presse folgt seinem teuflischen Gedanken, jongliert mit Zahlen, hinter denen Millionen von Toten stehen. Sie stellen Recherchen an, welche Seite bei einem Blutbad ohne Ende zum Schluß die größeren Reserven hätte. Frankreich? Rußland? England? Nein, natürlich Deutschland. In diesem Glauben gehen am 21. Februar 1916 deutsche Soldaten durch die Hölle von Verdun. Ihre Schlagkraft ist enorm. Das Fort Douaumont fällt am 25. Februar, das Fort Vaux am 7. Juni. Der französische Generalstab muß seinen Plan revidieren. Von den 330 Regimentern der Infanterie werden 259 zum einen oder aneren Zeitpunkt in Verdun nötig sein. Ab August ziehen sich die Deutschen zurück, geben einen Teil des zuvor eroberten Gebietes auf. Durch die Somme-Offensive hat man sie gezwungen, ihre Kräfte aufzusplitten. An der Somme hatte zuvor am 24. Juni 1916 ein bis dato unvorstellbares Trommelfeuer eingesetzt. Es dauerte eine Woche lang. Militärhistoriker sagen, die Alliierten hätten dabei auf jedem Quadratmeter eine Tonne Stahl verschossen, und trotzdem hat selbst dieser Gewaltakt keinen entscheidenden Durchbruch bewirkt. Die Engländer verloren gleich am ersten Tag 60.000 Mann. Es sollte der blutigste Tag des gesamten Weltkrieges werden. Insgesamt waren für den Preis von etwa 50 zurückeroberten Dörfer, einem Geländegewinn von 25 km Breite und 8 km Tiefe etwa 190.000 britische und 80.000 französische Soldaten gefallen. Nimmt man alle Armeen zusammen, die an der Offensive beteiligt waren, dann sind in Verdun 700.000 und an der Somme 1000.000 geopfert worden. Zahlen, die uns den ganzen Wahnsinn des Krieges vor Augen führen.

      Während im November 1916 die deutsche Taktik vom Ausbluten des Feindes einen so hohen Blutzoll unter den eigenen Soldaten gekostet hatte, bereitete man sich an der Heimatfront auf den Kohlrüben-Winter vor. Erste Anzeichen einer Hungersnot machten sich bemerkbar. Deutschlands Kriegsplanung ging von einem kurzen Feldzug aus. Dementsprechend wurde keine Vorsorge für eine ausreichende Bevorratung mit Lebensmitteln getroffen. Hinzu kamen die Auswirkungen dr englischen Schiffsblockade in der Ostsee. Jetzt folgt die Quittung für die Kurzsichtigkeit der deutschen Generäle. Das Wort "Ersatz" geht um. Steckrüben rollen an. Die Leute stehen Schlange an den Geschäften. Sie halten zwar Karten für Fett, Fleisch und Brot in den Händen, aber die Ware fehlt. Frauen fragen entsetzt, wie sie ihre Kinder noch satt bekommen sollen. Die Not wird zum ständigen Begleiter des Krieges. Dabei erwartet man auch, Kriegsanleihen zu zeichnen, Gold gegen Eisen herzugeben, Spenden zu leisten für die U-Boote. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst, mündet aber im konservativen Stralsund nicht zu organisiertem Zorn. Der Protest erschöpft sich in Einzelaktionen, im Verbiegen des Säbels am Denkmal des Ferdinand von Schill. Natürlich ist gleich ein patriotisch eingestellter Leser des Lokalblattes zur Stelle, der den Attentäter scharf rügt.

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