Von Blut & Magie. Melanie Lane
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Nicht mal zehn Minuten später hatte ich mich mit meinem Glas unter die Decke auf dem Sofa gekuschelt und scrollte mich durch Netflix. Was sollte ich gucken? Wie so oft blieb ich bei Supernatural hängen. Selbst Mom hatte die Serie geliebt. Sam und Dean gegen den Rest der Welt. So hatte ich Annabelle und mich auch manchmal empfunden. Sie war keine klassische Mutter gewesen, so viel stand fest. Ich hatte nie feste Regeln auferlegt bekommen oder war bestraft worden. Sie war da gewesen, wir hatten über alles reden können, aber eigentlich hatte jeder sein eigenes Leben gelebt. Ihren Erziehungsstil hätte man wohl am ehesten als antiautoritär bezeichnen können. Sehr Anti.
Grinsend trank ich einen Schluck Wein. Manchmal waren wir eher Mitbewohner als Mutter und Tochter gewesen. Besonders, als ich ein Teenager wurde. Die anderen Kids hatten mich immer um meine schöne, aufregende Mutter beneidet. Es hatte jedoch Zeiten gegeben, in denen ich sie beneidet hatte. Mit Sechzehn jeden Abend in eine leere Wohnung zu kommen und sich selbst versorgen zu müssen, war nicht so cool gewesen, wie es sich vielleicht anhörte. Dennoch war unsere Beziehung auf eine ganz eigene Art sehr innig gewesen. Sie hatte mich geliebt, das wusste ich. Und dann war sie gestorben und hatte mich zurückgelassen. Hier war ich nun. Alleine, aber glücklich. Obwohl, wenn ich ehrlich zu mir selbst war, war glücklich vielleicht nicht das richtige Adjektiv, um meinen Ist-Zustand zu beschreiben. Zufrieden traf es eher.
Die Worte des Fremden kamen mir erneut ins Gedächtnis. Was, wenn ich dir eine Familie geben könnte? Und wie hätte er das bitte anstellen wollen? Auf die traditionelle Art in der Horizontalen oder hatte er vielleicht etwas ganz anderes gemeint? In diesem Moment riss mein Fernseher mich aus meinen Gedanken. Meine Unentschlossenheit wurde mit der dritten Folge der sechsten Staffel Supernatural belohnt. So wurde mir diese Entscheidung wenigstens abgenommen. Am Ende wäre ich wahrscheinlich eh wieder genau dort gelandet. In den Tiefen meines Herzens war ich ein Gewohnheitstier. Drei Stunden und eineinhalb Flaschen Wein später fielen mir langsam, aber sicher die Augen zu. Eine Weile versuchte ich noch gegen den Schlaf anzukämpfen, aber meine Augenlider waren schwer und ich fühlte mich körperlich und emotional erschöpft. Also gab ich nach. In dem Wissen, dass der Fernseher von alleine ausgehen würde, kuschelte ich mich tiefer in meine weiche Decke und beschloss, einfach auf dem Sofa liegen zu bleiben.
»Ist sie das?«
»Ja.«
»Bist du dir sicher?«
Was…? Träumte ich? Oder waren da wirklich zwei Männerstimmen, ergo zwei Männer in meiner Wohnung? Alarmiert öffnete ich die Augen und blinzelte ein paar Mal hektisch, aber es war stockfinster in meiner kleinen Dachgeschosswohnung. Ich konnte absolut nichts erkennen. Nichts, außer zwei riesigen, undefinierbaren Schatten, die sich leicht über mich beugten. Oh mein Gott. Das konnte kein Traum sein. Angst durchfuhr mich und panisch versuchte ich mich aufzusetzen.
»Sie wacht auf, Lucan. Tu etwas.«
»Danke, dass du mir meinen Job erklärst, Nick«, antwortete die tiefe, bedrohliche Stimme von Schatten Nummer Zwei sarkastisch. Moment mal. Nick? Der Nick aus dem Café?
»Nick?«, krächzte ich heiser, unsicher, was das alles zu bedeuten hatte. Ich wusste nur eins, mein Fluchtinstinkt lief auf Hochtouren. Erneut versuchte ich mich aufzusetzen, aber etwas hielt mich zurück.
»Hör auf, dich zu wehren«, blaffte Schatten Nummer Zwei mich an. Der Kerl wirkte noch größer als der Fremde aus dem Café. Wer waren diese Typen und was wollten sie von mir?
»Vielleicht ist sie betrunken?«, schlug Nick Schatten Nummer Zwei vor.
»Wenn sie die ist, für die du sie hältst, dann nein.«
»Für wen ihr mich auch haltet«, versuchte ich es mit wild klopfendem Herzen, »ich bin es nicht.«
»Das versuche ich ihm auch seit einer Woche klarzumachen.«
»Lucan, bitte.«
Schatten Nummer Zwei, offensichtlich der Mann namens Lucan, fluchte in einer mir unbekannten Sprache.
»Schlaf, Prinzessin.«
Ein Gefühl, das stark an Wut erinnerte, pulsierte bei seinen Worten durch meine Adern. Trotz meiner Angst spürte ich so etwas wie Widerstand tief in mir. Ausgelöst durch diesen Lucan. Was bildete er sich eigentlich ein? Diese beiden fremden Männer standen hier in meinem Wohnzimmer und wollten sonst was mit mir anstellen und ich … erschrocken registrierte ich, wie die Müdigkeit mich auf einmal zu übermannen drohte. Ich fühlte mich wie in einen wärmenden Mantel aus Dunkelheit und Erschöpfung gehüllt. Und ich wollte so gerne nachgeben. Ich wollte die Augen schließen und einfach schlafen.
»Was …?«
»Schlaf«, wiederholte der Mann namens Lucan mit tiefer Stimme. Bereits im Halbschlaf registrierte ich, dass sowohl mein Körper als auch mein Geist auf den Befehl des Fremden reagierten. Was zur Hölle ging hier vor sich?
»Und jetzt?«
»Jetzt nehmen wir sie mit«, antwortete Nick. In meinem tranceähnlichen Zustand spürte ich, wie starke Arme sich unter meinen Körper schoben und mich samt Decke anhoben. Ich wollte protestieren, mich wehren, aber ich war so unendlich müde. Also schloss ich die Augen, in der Hoffnung, dass sich all das morgen früh als schlechter Traum herausstellen würde.
Laut gähnend räkelte ich mich in meinem bequemen Bett und versuchte, einen Blick auf meinen digitalen Wecker zu erhaschen. Dabei stieß ich gegen einen riesigen Haufen weicher Kissen. Sehr weiche Kissen. Ruckartig setzte ich mich auf. Nicht mein Bett, dachte ich, als ich das zwei Meter große Monsterbett mit seiner Flut aus weichen Kissen begutachtete.
Und nicht meine Wohnung.
Irritiert sah ich mich in dem abgedunkelten Raum um. Das Zimmer, oder wohl eher die Suite, war riesig. Allein das Bett, auf dem ich saß, war so groß wie meine halbe Wohnung. Noch immer etwas benommen, rieb ich mir über die Augen. Als ich sie wieder öffnete, hatte sich jedoch nichts verändert. Ich war immer noch hier. Wo auch immer hier sein mochte.
»Ach du heilige Scheiße«, fluchte ich und schüttelte meinen noch immer leicht vernebelten Kopf. Also kein Traum. Sofort begann mein Herz, schneller zu schlagen. Es war kein Traum gewesen. Dann hatten die beiden Männer, Nick und Lucan, mich also tatsächlich entführt. Aus meiner eigenen Wohnung. Meiner eigenen, gut verriegelten Wohnung. Wie waren sie da reingekommen, ohne auch nur das leiseste Geräusch zu verursachen? Und scheinbar hatten sie mich in ein Luxushotel verschleppt. In eine verdammte Luxus Suite.
Welche Entführer tun sowas?, fragte ich mich verwirrt und schwang die Beine aus dem Bett. Meine nackten Füße gruben sich in die luxuriösen Felle vor dem Bett und ich beugte mich rasch hinab, um die Finger über den Teppich gleiten zu lassen. Wow. Mit leicht zittrigen Beinen stand ich auf und ging vorsichtig in Richtung der großen Fenster. Auf dem Weg dorthin schaute ich an mir herab. Yogahose und Pulli. Also hatten sie auf den ersten Blick nichts Verwerfliches mit mir angestellt, außer mich offensichtlich zu betäuben und mich aus meiner Wohnung zu entführen. Bis