Der Landdoktor Staffel 3 – Arztroman. Christine von Bergen
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»In der Küche«, erwiderte Herr Breitner dienstbeflissen.
»Würden Sie mir die Packung mitgeben?«
*
In dieser Nacht war der Praxishügel hell erleuchtet. Der Landarzt wechselte sich in der Nachtwache im Zimmer seiner Patientin mit seiner Frau und einer jungen Krankenschwester aus Ruhweiler, die er oft zu Nachtdiensten rief, ab.
Der Zustand von Eva Breitner blieb besorgniserregend. Matthias konnte sie nur auf Verdacht auf Vergiftungserscheinungen behandeln, ohne das Gift selbst zu kennen. Er wusste nur eines mit Sicherheit: Unter einer Darmgrippe litt sie nicht.
Am nächsten Morgen fuhr Ulrike Brunner in aller Früh mit dem Tee der Breitners sowie Proben aller Teesorten, die Thomas Brandler in seiner Apotheke verkaufte, zum Labor in die nahe gelegenen Kreisstadt. Eine Stunde später kam sie mit einem niederschmetternden Ergebnis zurück.
»Tollkirsche und blauer Eisenhut«, sagte sie zu ihrem Mann und Schwester Gertrud.
Der Praxisdrache schlug die Hand vor den Mund.
»Wenn Kinder diese Mischung trinken würden, liefe die Sache weit weniger glimpflich ab als bei unserer Patientin«, sagte sie voller Entsetzen.
»Gar nicht auszudenken«, flüsterte Ulrike immer noch schockiert.
»Ich kann mir kaum vorstellen, dass Frau Koch sich so irren soll«, murmelte Matthias kopfschüttelnd.
»Das Testergebnis ist eindeutig, Chef«, rief ihm Gertrud da energisch in Erinnerung.
»Wie dem auch sei. Wir müssen die Sache der Polizei melden«, sagte er in matt klingendem Ton wie zu sich selbst. »Das Zeug muss umgehend aus dem Handel gezogen werden. Thomas Brandler muss auf der Stelle seine Kunden warnen. Und Claudia …« Er strich sich mit beiden Händen übers Gesicht.
»Ich fahr sofort zu ihr«, bot sich seine Frau an. »Sie sollte jetzt nicht allein sein.«
»Schwester Gertrud, Sie kommen mit mir zu Frau Breitner. Sie braucht so schnell wie möglich das Gegengift.«
*
Im Laufe dieses Tages setzte sich eine Maschinerie in Gang, die das ganze Ruhweiler Tal in Aufruhr versetzte.
Panik ging um. Beim Metzger, Bäcker, im Blumenladen, überall, wo die Hausfrauen einkauften, ergingen sie sich in wüsten Beschimpfungen über die Kräuterhexe. Es gab nur wenige, die sich zurückhielten. Zu denen gehörten natürlich der Landarzt und seine Frau sowie Thomas. Er hielt die Apotheke an diesem Tag geschlossen und war schon am frühen Morgen, nachdem er die Horrormeldung erhalten hatte, sofort zu Claudia gefahren, der er jetzt beim Verhör mit Hauptwachtmeister Kruse beistand.
Claudia schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie zitterte am ganzen Körper.
»Ich kann das nicht verstehen«, wiederholte sie zum zigsten Mal. »Ich kann mir nicht erklären, wie diese Gifte in meine Tees gekommen sind. Ich gehe sehr, sehr sorgfältig vor beim Mischen. Und ich probiere alle meine Produkte selbst, bevor ich sie verkaufe. Ich habe bisher keinerlei Beschwerden gehabt.«
Der nicht allzu arbeitseifrige Kruse stand dem Fall sichtlich hilflos gegenüber. Er mochte die junge Frau, wie die meisten Männer im Tal, sah sich aber gezwungen, kraft seines Amtes resolut gegen sie vorzugehen.
»Ich muss Ihren Laden leider ab sofort schließen, und Sie werden mit Anzeigen wegen Körperverletzung rechnen müssen.« Nervös drehte er seine Kappe in den Händen, trat von einem Bein aufs andere. »Und ich muss Sie jetzt mitnehmen auf die Wache. Zum Protokoll.«
Thomas, der neben seiner Hexenfee saß, legte tröstend den Arm um ihre Schulter. »Ich bleibe bei dir, keine Angst«, sagte er zu ihr.
»Ich würde es für sinnvoll halten, wenn die Tees hier aus dem Laden auch schnellstens untersucht würden«, sagte Ulrike zu dem Hauptwachtmeister, der die Brunners gut kannte. »Ich könnte die Proben gleich ins Labor fahren.«
»Moment, Moment …«, schritt da der behäbige Polizist ein, dem die Sache über den Kopf wuchs. »Das muss alles seinen behördlichen Gang gehen. Das muss erst von oberer Stelle angeordnet werden.«
»Blödsinn, Kruse«, widersprach ihm da die Landarztfrau in ihrer energischen Art. »Das machen Matthias und ich privat. Wir kennen den Laborchef. Ich bin sicher, dass wir heute noch ein Ergebnis bekommen werden.«
Da straffte sich der Hauptwachtmeister und zog seine Uniformjacke über dem Bauch glatt, welcher die Knöpfe zu sprengen drohte. »Ich kann nicht gestatten, dass irgendein Beweisgut den Laden verlässt.«
»Kruse, ich habe ja auch nicht vor, alle Teetüten mitzunehmen.« Ulrike trat an den Polizisten näher heran, schenkte ihm ihr liebreizendstes Lächeln. »Nur ein paar Pröbchen. Sollten wir das Laborergebnis heute noch bekommen, wird sich dein Vorgesetzter zu deinem schnellen und verantwortungsvollen Handeln in diesem Fall bestimmt positiv äußern. Es geht darum, die Menschen hier zu schützen.«
»Aber nur von jeder Sorte eine kleine Probe«, gab der Hauptwachtmeister schließlich nach.
*
Matthias gelang es derweil, durch Verabreichung des Gegengiftes den Zustand von Eva Breitner zu stabilisieren. Erleichtert atmete er auf, als die Messinstrumente bessere Werte anzeigten.
»Ich bin so müde«, sagte die junge Frau mit geschlossenen Augen.
»Schlafen Sie«, erwiderte er. »Im Schlaf kann sich der Körper am besten regenerieren.«
»Kann ich hierbleiben?«, fragte ihr Mann.
»Aber sicher. Wenn irgendetwas sein sollte, drücken Sie den roten Knopf am Bett. Dann wird einer von uns sofort kommen«, versicherte er den beiden.
Mit schnellen Schritten ging er von der Klinik hinüber zur Praxis. Auch an diesem Vormittag gaben sich seine Patienten wieder die Klinke in die Hand. Alle hatten sich mit dem Darmgrippevirus infiziert, was ihn erleichterte. Kein einziger Fall von Vergiftung mehr, dachte er zufrieden. Thomas Brandler hatte also am frühen Morgen alle seine Kunden gewissenhaft gewarnt.
Zwischen den Behandlungen dachte der Landarzt immer wieder an Claudia Koch. Er war fest davon überzeugt, dass der Kräuterpädagogin keinerlei Fehler oder Irrtümer bei der Herstellung ihrer Tees unterlaufen waren. Die Frage lautete also: Wie war das Gift in die Tees gekommen, wenn nicht durch Claudia? Auf dem Transportweg von ihrem Kräuterladen zur Apotheke? In der Apotheke?
Jede freie Minute telefonierte er an diesem Vormittag mit seiner Frau, die in dem Labor auf die Testergebnisse der Proben aus Claudias Kräuterladen wartete.
»Chef, Sie müssen sofort zur Familie Hölderlein fahren«, unterbrach ihn Schwester Gertrud während einer Wundversorgung in alarmierendem Ton. »Dort gibt es wahrscheinlich auch einen schweren Fall von Vergiftung.«
»Verbinden Sie unseren Patienten bitte«, erwiderte er hastig durch die Sprechanlage, entschuldigte sich bei dem jungen Mann, der sich eine harmlose Sportverletzung zugezogen hatte, und rannte mit fliegenden Mantelschößen aus der Praxis.
*
Ein