Dr. Norden Bestseller Paket 1 – Arztroman. Patricia Vandenberg
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Daniel war sprachlos, aber ein Widerspruch hatte ihm gar nichts genützt. Frau von Dehlen stieg schon in den anderen Wagen ein. Und da stand er nun neben diesem gewichtigen Koffer und blickte dem davonfahrenden Wagen nach.
Währenddessen hatte Lenchen Fee gegenüber schon erklärt, welch eine vornehme Dame Frau von Dehlen sei.
»Aber erst meckern«, wurde sie von Fee geneckt.
»Das ist kein Meckern. Ich habe meine Grundsätze«, erklärte Lenchen.
»Die bei gegebenem Anlass ruhig mal umgestoßen werden können«, meinte Fee, aber als Daniel dann den Koffer hereinschleppte und ihr erklärte, wofür Frau von Dehlen ihn bestimmt hätte, schüttelte sie den Kopf.
»Was mag sie sich dabei nur denken«, sagte sie verwirrt.
»Weiß der Himmel«, seufzte Daniel. »Sie ist so sanft und hilflos, und in solchen Dingen kommt man nicht gegen sie an. Was sollte ich denn machen, Fee? Sie stieg ein, winkte mir zu, und weg waren sie schon. Und ich habe schon wunder gedacht, was sie da auf die Insel mitschleppen will und wie wir den Riesenkoffer in dem Wagen verstauen könnten, wo Anne doch die halbe Stadt ausgeplündert hat. Ich möchte nur wissen, was sie alles eingekauft hat.«
»Vielleicht die Aussteuer für Katja«, meinte Fee.
»Liebe Güte, sie werden doch wohl nicht mal mit dem Wohnwagen herumziehen.«
»Weiß man es? Hoffentlich sitzt Frau von Dehlen bequem.«
»Sei besorgt, die Unbequemlichkeit auf dem Rücksitz hat Anne selbst in Kauf genommen. Da hat sie auch keinen Widerspruch geduldet … Was soll ich nun mit dem Koffer machen, Fee?«
»Ins Kinderzimmer stellen. Es wird sich ja hoffentlich eine Gelegenheit ergeben, noch mal ein ernstes Wörtchen mit Frau von Dehlen zu sprechen. Sie ist rührend, und man kann sich doch sehr gut vorstellen, wie sie einmal Honneurs gemacht hat, eine große Dame in hochherrschaftlicher Umgebung. Schau mich nicht so an, ich meine das keineswegs ironisch. Ich kann sie mir sehr gut vorstellen.«
Diese Zeit lag aber schon so lange zurück, dass sich Charlotte von Dehlen selbst nicht mehr richtig daran erinnern konnte, auch nicht erinnen wollte. Sie fuhr jetzt, wie ein beschenktes Kind neben Dr. Cornelius sitzend, der Insel entgegen, die sich ihnen in traumhaft abendlicher Stimmung darbot.
Ein bisschen Freude hatte Daniel Norden ihr noch bereiten wollen, um das auszugleichen, was andere ihr Übles zugefügt hatten. Er ahnte nicht, wie viel Glück er dieser alten Dame gab, und wie viel Glück sie selbst dadurch empfangen sollten, nach der uralten Weisheit: »Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.«
*
In der Behnisch-Klinik begann der erste Tag der Woche damit, dass Birgits Kopfverband abgenommen und Pennys gewechselt wurde.
Birgits Platzwunden waren gut verheilt. Was geblieben war, wurde von dem herabfallenden Haar verdeckt.
Wenn es bei Penny nur auch so sein würde, doch an sie ging Jenny mit Zittern und Zagen heran. Und dennoch war es nicht so schlimm, wie sie gefürchtet hatte. Ihr Seufzer klang so erleichtert, dass Penny sie mit großen Augen anschaute.
»Geht es eingermaßen?«, fragte sie, und ihre Stimme bebte nur ein ganz klein bisschen. »Ist alles noch an seinem Platz?«
Jenny nahm Zuflucht zum Humor. »Sie sehen aus wie ein kleiner Junge, der eben eine Rauferei hinter sich hat«, sagte sie.
»Darf ich mal in den Spiegel schauen?«, fragte Penny.
Jenny zögerte einen Augenblick.
»Bitte, Frau Dr. Lenz«, bat Penny. »Eitel bin ich nicht, nie gewesen. Und ich sage mir immer wieder, dass ich noch ganz gut davongekommen bin. Für meinen Mann ist das auch das Wichtigste.«
Ja, davon war Jenny Lenz überzeugt. Dirk Holzmann hatte das längst unter Beweis gestellt.
»Dann schauen Penny und Jenny mal gemeinsam in den Spiegel«, antwortete sie.
»Sie heißen Jenny, das ist lustig«, sagte Penny, und allein das Lächeln, das ihre wunderschönen Zähne entblößte, verwischte das andere, was nicht so erfreulich war.
Penny zeigte sich sehr gefasst, als sie in den Spiegel blickte. »Bei Männern sind Schmisse ja interessant«, meinte sie skeptisch.
»Das wird noch korrigiert«, erklärte Jenny schnell. »Man kann heutzutage auf diesem Gebiet wahre Wunder vollbringen.«
»Ich möchte aber die Penny bleiben, die Dirk mag«, entgegnete sie leise. »Ich müsste wohl richtiger sagen, ich möchte sie wieder werden.«
»Sie sind sie geblieben, Penny Holzmann«, sagte Jenny mit fast mütterlicher Zärtlichkeit. »Optimistisch und tapfer.«
»Timmy wird schon ein bisschen kritisch schauen«, bemerkte Penny nachdenklich.
»Kinder reagieren ganz anders, als man allgemein annimmt. Tim war der Verband fremd, aber die paar kleinen Narben wird er übersehen, wenn Sie mit ihm lachen.«
»Sie verstehen es zu trösten«, murmelte Penny leise. »Aber wie wird es ausschauen, wenn die Gipsverbände herunter sind, Jenny Lenz?«
»Ein bisschen dünn, glaube ich«, erwiderte Jenny im gleichen Ton. »Aber das werden Sie auch schnell aufholen. Sie haben gesundes Blut, das haben wir nachgewiesen.«
»Und ein dickes baltisches Fell. Mein Vater war nämlich Balte. Das ist ein robuster Menschenschlag.« Penny lächelte zaghaft.
Sie macht sich selber Mut, dachte Jenny. Wie gut das ist. Wer sich aufgibt, ist schon halb verloren. Penny Holzmann gibt bestimmt nicht auf. Sie wird aus jedem Dilemma einen Weg finden. Vor genau acht Tagen hatte man ihr kaum noch eine Chance gegeben, und nun zeigte sie schon wieder Humor. Dabei konnte man sie wahrhaftig nicht robust nennen und von einem dicken Fell konnte schon gar nicht die Rede sein, aber viel innere Kraft und sehr viel Glauben steckten in dieser kleinen Frau.
»Ich würde mich ja viel wohler fühlen, wenn ich mal richtig baden könnte«, meinte Penny jetzt. »Das Schlimmste ist, dass ich so gar nichts selbst tun kann.«
Ja, das war für das früher so quicklebendige Geschöpf eine harte Geduldsprobe, und da konnte eine Woche schon unendlich lang werden, besonders jetzt, da ihr Geist schon wieder so rege war.
Aber beim Gesicht konnte man mit der Heilbehandlung schon anfangen. Dabei verging nicht nur die Zeit, sondern es war auch belebend und wohltuend. Danach war Penny entspannt und so richtig schön müde geworden, und sie schlief, bis Dirk kam, so fest, dass sie gar nicht hörte, dass er eintrat!
Ganz leise ließ er sich an ihrem Bett nieder, betrachtete ihr kleines Gesicht, von dem man nun schon ein bisschen mehr sehen konnte.
Seine geliebte kleine Penny, immer vergnügt war sie gewesen, niemals launisch. Was hatten sie nur für Spaß miteinander gehabt. Sie konnte sich über alles freuen wie ein Kind. Und wenn er sich manchmal tagsüber noch so ärgern musste, wenn er heimkam, war das vorbei. Sie zauberte alle Sorgen einfach weg. Wie sehr sehnte er sich danach, sie in seine Arme nehmen zu können.
Plötzlich schlug sie die Augen auf, diese großen, klaren grauen Augen,