Der Fluch der Welt. Robert Heymann

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Der Fluch der Welt - Robert Heymann

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er auf Urlaub käme, dass aber die Sache mit Elschen doch einen Haken habe, der nicht zu übersehen sei.

      „Sieh mal, wenn sie dich auch liebt, aber von der Liebe kann doch der Mensch nicht leben, und was nun der Rentier Hinrichsen ist, der will doch Elschen heiraten.“

      „Was?“ rief Martin, der bis jetzt die Worte der alten Frau ruhig hatte über sich ergehen lassen. „Was? Der alte Hinrichsen mit seinem Fettwamst, und das schlanke Elschen ...“

      „Fettwamst hin, Fettwamst her, Junge: Er hat ein Vermögen auf der Bank und Elschen hat noch nichts, rein gar nichts, denn unser Geschäft nährt uns schlecht und recht und die Zeiten kosten Geld.“

      „Also Elschen soll ein Ersatzmittel heiraten,“ sagte Martin Knesebeck. „Schön,“ wenn sie damit einverstanden ist ...“

      „Wenn du ihr den Kopf verdrehst, ist sie natürlich nicht einverstanden“ ereiferte sich die Mutter. „Und da du doch sonst ein vernünftiger Junge bist ... doch da kommt ja Herr Hinrichsen! Guten Tag, Herr Hinrichsen!“

      Durch die Tür spazierte ein beleibter Herr in den Jahren zwischen vierzig und fünfzig, lächelte Frau Ohnesorg freundlich zu und trug gravitätisch einen Blumenstrauss vor sich her.

      Frau Ohnesorg wollte die beiden Herren bekannt machen. Herr Hinrichsen hielt die kostbaren Blumen mit weit vorgestrecktem Arm vor sich und grüsste bedächtig. Martin Knesebeck nahm den Strauss, den ihm Hinrichsen ahnungslos unter die Nase hielt, legte ihn zu seinem Tornister und sagte: „Danke och, Herr Hinrichsen.“

      Hinrichsen vergass, den Mund zu schliessen ... Endlich stotterte er mühsam, während Frau Ohnesorg das Zimmer verliess, um Elschen zu holen: „Aber Herr ... Herr Feldwebel ... Herr Unteroffizier ... das ist ... das ist ... eine Aufmerksamkeit ...“

      „Sehr nett von Ihnen, an mich armen Feldsoldaten zu denken,“ entgegnete Martin und lächelte unschuldig. Indessen trat Elschen ein, sah Martin mit einem verlegenen Blick an und begrüsste Herrn Hinrichsen mit einem Knicks.

      „Gerade,“ als ob sie französisch bei ihm lernte,“ meinte Martin, zu Frau Ohnesorg gewandt, die ihm einen bösen Blick zuwarf.

      Frau Ohnesorg wollte Martin entfernen. Sie versuchte es auf jede nur erdenkliche Art. Aber Martin hörte nicht.

      „Wollen wir nicht mal herausgehen? fragte sie endlich und ging direkt auf ihr Ziel los.

      Martin machte ein verständnisloses Gesicht und erklärte, bei dem letzten Trommelfeuer an der Somme sei ihm das Trommelfell verletzt worden, und seitdem sei er schwer von Begriff ...

      „Ich habe ein Stück Schweinebraten draussen,“ sagte schliesslich Frau Ohnesorg, entschlossen, den kostbaren Besitz, der für Sonntag eingekauft war, Elschens Zukunft zum Opfer zu bringen. Da zeigte sich, dass Martin Knesebeck auch manchmal’ hellhörig war. Denn er machte eine einladende Bewegung nach der Türe und verschwand mit Frau Ohnesorg, die Herrn Hinrichsen noch einen ermutigenden Blick zuwarf, der ungefähr besagte: Sie und ich bilden eine Entente. Gehen Sie zur Offensive über, ich werde den da einstweilen wirtschaftlich blockieren.

      „Ja, ja,“ sagte Hinrichsen und rieb sich mit der fetten Hand das Kinn ...“ Ja, ja Fräulein Elschen.“

      „Ja, ja, Herr Hinrichsen“, erwiderte Elschen sprang plötzlich auf und holte sich die Blumen vom Spind, zwischen denen friedlich das Seitengewehr Martin Knesebecks schimmerte. „Ach, die schönen Blumen, die mir Martin mitgebracht hat. Schauen Sie doch nur, Herr Hinrichsen, die schönen Blumen!“

      Sie drückte sie an die Lippen. Da beeilte sich Herr Hinrichsen zu bemerken, dass die Blumen von ihm seien, worauf die Begeisterung Elschens merklich nachliess.

      „Ach so, die armen Blumen! Ich will ihnen Wasser geben.

      Schnell holte sie eine Vase und steckte die Blumen hinein. Die Vase kam auf das Spind. Herr Hinrichsen hatte sich langsam erhoben.

      „Ich leide immer noch etwas an Gicht,“ sagte er entschuldigend. Das hängt mit meinem Fettherz zusammen. Deswegen bin ich auch d. u. geworden. Also Sie hätten nicht zu fürchten, Fräulein Ohnesorg, dass ich je zur Front ginge und Sie Witwe würden.“

      „O bitte“, erwiderte Elschen, „ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht.“

      „Es wäre doch aber bitter für Sie, wenn Sie plötzlich Witwe würden.“

      „Es ist nicht meine Absicht“ entgegnete Elschen verwirrt.

      „Und Sie sind so zart ... Sie brauchen einen männlichen Schutz und eine gesicherte Existenz. Sehen Sie, Fräulein Ohnesorg, beides finden sie bei mir. Ich habe eine ausreichende Rente und bin in den Jahren, in denen Sie vor Überraschungen sicher sind Mit einem Wort Fräulein Elschen, ich liebe Sie und bitte um Ihre Hand!“

      Elschen sass verwirrt und verwundert. Sie studierte das Gardinenmuster am Fenster und schrack zusammen, als Herr Hinrichsen sich vernehmlich räusperte.

      „Ach so“, sagte sie. „Ach ja, Herr Hinrichsen. Ihr Antrag ehrt mich ... jawohl ... aber sehen Sie ... Ihre Frau, nein, Ihre Frau kann ich nicht werden. Bedenken Sie, Herr Hinrichsen, dass Sie sich viel zu viel mit mir ärgern würden. Ja, ich würde Sie in jeder Weise enttäuschen, denn ich verstehe absolut nichts von Kriegsküche und bin sehr verschwenderisch veranlagt.“

      Aber diese Selbstbeschuldigungen verfehlten vollkommen ihren Zweck. Herr Hinrichsen blieb dabei, dass Elschen für ihn geschaffen sei und er begnüge sich zum Frühstück mit Kamillentee und esse überhaupt sehr wenig, wegen seines Fettherzes. Und Elschen sollte doch einfach Ja sagen, das andere würde sich schon finden ...

      Elschen aber dachte an Martin, der nun sicher draussen mit Herzklopfen das Resultat der Unterredung abwartete (in Wirklichkeit sass Martin bei seinem Schweinebraten und ass seelenruhig das Ergebnis von drei Fleischkarten auf). Elschen also dachte an den Geliebten, dem sie Treue geschworen hatte, und gab sich einen Ruck.

      „Herr Hinrichsen, ich kann trotzdem Ihre Frau nicht werden.“

      Herr Hinrichsen versuchte es nochmals mit einem Hinweis auf die gesicherte Existenz, aber Elschen meinte, wenn alle Stricke reissen würden, dann gebe es für eine Frau in Deutschland noch genug zu tun ...

      Herr Hinrichsen erschrak.

      „Sie wollen doch nicht zur Wach- und Schliessgesellschaft?“

      Elschen erwiderte, es müsse ja nicht gerade die Wach- und Schliessgesellschaft sein, aber es sei die Pflicht eines jeden Menschen, jetzt dem Vaterlande in irgend einer Form zu dienen. Diese Antwort fasste Herr Hinrichsen sehr persönlich auf und dachte, er würde in der Achtung Elschens entschieden mehr steigen, wenn auch er dem Vaterlande seine schwachen Kräfte zur Verfügung stellte. Das war eine Angelegenheit, die sich überlegen liess. Zum Beispiel dachte es sich Herr Hinrichsen sehr hübsch, als Ordonnanz mit einer militärisch angehauchten Aktenmappe wieder vor Elschen zu treten. Oder etwa mit einem Gewehr die Brücke zu bewachen und nach feindlichen Fliegern Ausschau zu halten. Es waren zwar nie welche da, aber es machte sich doch gut, zu sagen, es könnten mal welche kommen und da war Hinrichsen dazu da, aufzupassen, dass dann kein Unglück geschah.

      Von solchen Ideen erfüllt, erhob sich Hinrichsen, dessen Mannesstolz in Anbetracht seiner guten Vorsätze gewaltig wuchs, und erklärte, er wolle später mal wieder anfragen, ob dann Elschen keinen Bedarf hätte. Das war eine Redensart, die er aus seinem früheren Beruf als Reisender in Trikots in seinen Ruhestand

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