Im Schatten des Feldmarschalls: Geschichten aus dem Powder-Mage-Universum. Brian McClellan

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Im Schatten des Feldmarschalls: Geschichten aus dem Powder-Mage-Universum - Brian McClellan Die Powder-Mage-Chroniken

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stolz sein auf ihre Mutter, die sie kaum kannte.

      Ihr verhasster Ehemann würde Genevie in die Obhut von Verundishs Vater und Mutter übergeben, und sie würde den Rest ihres Lebens von Verundishs großzügiger Pension leben können.

      Falls General Tamas es ihr gestattete, den Angriff anzuführen.

      Sie ging gerade durch das Lager und inspizierte ihre Kompanie, als Constaire sie fand.

      Ohne ein Wort zu sagen, packte er sie fest am Arm und führte sie hinter den Pavillon eines Obersten, wo sie einigermaßen unter sich waren.

      »Was hast du vor?«, forderte sie und schüttelte sich aus seinem Griff los.

      »Nein«, zischte er, »was hast du vor?«

      »Ich habe keine Ahnung, wovon du redest.«

      Constaires Gesicht war rot vor Wut. In den vier Jahren, in denen sie jetzt gemeinsam auf Feldzug waren, hatte sie ihn noch nie so wütend gesehen. »Ich wurde gerade von General Tamas darüber informiert, dass du dich freiwillig dazu gemeldet hast, meinen Platz in dem Himmelfahrtskommando einzunehmen. Das werde ich nicht erlauben!«

      »Es gibt nichts, das du mir nicht erlauben kannst«, sagte sie.

      »Hältst du mich für einen Feigling?« Constaire stampfte mit dem Fuß auf. Es war unheimlich kindisch, und Verundish fragte sich, ob er vielleicht etwas Übung darin brauchte, wütend zu sein. »Meinst du etwa, ich schaffe es nicht? Wieso tust du so etwas?«

      Sie dachte an all die Gründe, die sie ihm aufzählen könnte, und legte ihm ihren Finger auf die Lippen. Er war ein Feigling, aber jetzt war nicht der richtige Moment, das auszusprechen.

      »Ich halte dich nicht für einen Feigling«, sagte sie. »Aber ich weiß, dass du es nicht schaffen wirst.«

      »Du würdest an meiner Stelle sterben?«

      Sein Gesicht wirkte in diesem Moment so verletzlich, dass Verundish sich fragte, ob er es doch tatsächlich ernst gemeint hatte, als er ihr angeboten hatte, sie zu heiraten. Sie hatte angenommen, dass es einfach nur eine ungestüme Liebeserklärung gewesen war, hinter der keine Substanz gesteckt hatte. Soldaten heirateten nicht untereinander.

      »Das würde ich«, sagte sie. Sie erzählte ihm nicht, dass sie sich sicherlich selbst das Leben nehmen würde, wenn es die Gurlaner nicht schaffen sollten.

      »Nein. Das kann ich nicht zulassen. Ich mag zwar ein Feigling sein, Verie, aber ich bin nicht feige genug, um dich meinen Platz einnehmen zu lassen.«

      »Du hast keine Wahl. Anscheinend hat der General seine Entscheidung getroffen.« Sie war überrascht, dass Constaire vor ihr davon gehört hatte.

      Constaire strich seine Uniform glatt. »Ich werde auf der Stelle zum General gehen und fordern, dass er mich den Angriff anführen lässt. Das ist mein Recht!«

      »Niemand fordert irgendetwas von Tamas«, sagte sie.

      »Ich schon!«

      Sie nahm ihn am Arm und legte ihm eine Hand auf die Brust. »Tu das nicht, du Narr. Das Einzige, was du vom General bekommen wirst, ist eine Rüge.« Sie legte ihm wieder einen Finger auf die Lippen. »Ich muss jetzt erst mal meine Angelegenheiten in Ordnung bringen. Komm mich heute Nacht besuchen. Wenn ich in zwei Tagen sterben sollte … nun, dann will ich die Zeit bis dahin genießen.«

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      Am Morgen vor dem Angriff wurde Verundish noch einmal zu General Tamas bestellt.

      Als sie sich seinem Zelt näherte, wurde sie von der Furcht ergriffen, dass er sich dazu entschieden hatte, ihrer Bitte nicht nachzukommen. Dass Constaire doch den Angriff anführen würde und sie sich eine Kugel in den Kopf jagen müsste, um Genevie zu retten.

      Als sie ankam, wirkten die beiden Wachen vor dem Zelt des Generals nachdenklich und verschlossen. Einer der beiden kündigte sie an, und sie wurde durchgewinkt.

      Sie betrat das Zelt; der Protest, der ihr auf den Lippen lag, erstarb, während sie den Innenraum betrachtete.

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      Der Schreibtisch des Generals war umgeworfen worden, und der Boden und die Wand des Zeltes waren voller Tinte, Papiere und verstreutem Schießpulver. Der massive Eichentisch, auf dem seine zweihundert Jahre alte Karte gelegen hatte, war in der Mitte durchgebrochen, und ein eiserner Kerzenhalter, der auf seinem Schreibtisch gestanden hatte, war nur noch ein Haufen verbogenes Metall.

      General Tamas saß mit überkreuzten Beinen auf einem Stuhl in der Ecke – dem einzigen unzerstörten Möbelstück im Zelt – und betrachtete die Zerstörung mit saurer Miene.

      »Sir?«, fragte Verundish.

      Er schaute einen Moment hoch, dann wieder zu seinem Schreibtisch. Der Schreibtisch war riesig. Es brauchte bestimmt vier Männer, um ihn zu tragen, und mindestens zwei, um ihn umzuwerfen. Aber Tamas war alleine.

      Der General stand auf und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.

      »Captain«, sagte er. »Danke, dass Sie da sind. Ich hatte gerade eine Unterhaltung mit dem Privilegierten Zakary, dem neuen Bannwart des königlichen Kabals.«

      Es war kein Geheimnis, dass nur der König selbst Tamas und den königlichen Kabal davon abhielt, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, aber Zakarys Besuch erklärte nicht den kaputten Tisch.

      »Hat er das getan, Sir?«, fragte Verundish. Diese Respektlosigkeit machte sie wütend. Niemand hatte das Recht, in Tamas’ Zelt zu kommen und ihn so zu erniedrigen. Er war ein General. Ihr General!

      »Was?« Tamas wirkte einen Moment lang aufrichtig verwirrt, als er ihrem Blick zu dem Chaos folgte. »Oh. Nein, das ist erst passiert, als er weg war. Bald wird jemand kommen und das aufräumen. Zakary hat mich besucht, um mir mitzuteilen, dass kein Privilegierter an dem Himmelfahrtskommando auf Darjah heute Nacht teilnehmen wird. Sie werden nur aus der Entfernung Unterstützung leisten.«

      Verundish spürte, wie ihr der Atem stockte. Keine Privilegierten? Kein einziger? Bei einem Himmelfahrtskommando war immer ein Privilegierter dabei – normalerweise ein junger und dummer oder ein krankhaft ehrgeiziger, aber immerhin ein Privilegierter. Ohne eigenen Privilegierten würde das Himmelfahrtskommando nichts haben, was sie der gurlischen Magie entgegensetzen konnten, die von den Mauern auf sie herabregnen würde.

      Verundish atmete einmal angestrengt durch. Sie würde heute Nacht sterben. Es führte kein Weg daran vorbei. Das war es, was sie wollte. Aber so klar zu wissen, dass ihr Tod sinnlos sein würde …

      »Außerdem hat mir Feldmarschall Beravich verboten, am Angriff teilzunehmen«, fuhr Tamas fort. »Normalerweise halte ich mich etwa eine Meile hinter der Front auf, bei der Artillerie, und schieße auf die feindlichen Privilegierten, wenn sie bei der Verteidigung gegen das Himmelfahrtskommando aus der Deckung gehen. Aber es hat ganz den Anschein, als würde selbst das mir verboten werden.«

      Tamas blies die Nasenflügel auf, und seine Stimme wurde lauter, während er sprach. »Die verfluchten Idioten wollen mir bloß beim Scheitern zusehen. Sie schicken Männer in den Tod – gute Männer –, nur um mir eins auszuwischen! Diese verdammten Hunde.

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