Der Mord am Pulverbach. Gisela Garnschröder
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»Es wurden Baugeräte gestohlen, der Mann wird die Täter dabei überrascht haben.«
Sie war blass geworden.
»Der Kleine hat geschrien, so gegen ein Uhr am Freitagmorgen, da war es ziemlich laut draußen. Ein Automotor lief und Männerstimmen waren zu hören, ich habe dann das Fenster zu gemacht und dem Jungen Tee gegeben, danach war alles still.«
Tann notierte sich die Aussage und verabschiedete sich mit einem Lächeln.
»Einen schönen Tag noch und viel Spaß mit dem Kleinen.«
»Danke, den werde ich haben«, grinste sie und schloss die Tür.
Tann stapfte auf das nächste Haus zu, nach mehrmaligem Klingeln versuchte er es woanders. Nach einer Stunde gab er frustriert auf. Seine Schuhe waren völlig verdreckt und nass bis zu den Socken. In nur zwei Häusern hatte er Leute angetroffen, und keiner von ihnen hatte etwas gehört, außer der jungen Frau mit dem Kind. Er ging zu seinem Wagen und versuchte gerade mit Papiertaschentüchern den Schmutz von den Sohlen abzureiben, als Vera Senft mit ihrem Kleinwagen heran geschossen kam.
»Feine Arbeitsteilung«, fuhr er sie schroff an. »Ich darf mir die Schuhe ruinieren und Madame mit dem Rektor Kaffee trinken!« Vera grinste frech und antwortete mit Blick auf Tanns ramponierte Schuhe:
»Ein guter Beamter hat für alle Fälle immer seine Gummistiefel im Kofferraum!«
Er sah sie wütend an, musste dann aber lachen, weil sie einen seiner Lieblingssprüche benutzt hatte: »Den Satz kennst du noch?«
Sie nickte. »Der Rektor konnte mir leider nicht weiter helfen. Er kannte den verunglückten Jungen kaum. Ich habe mehrere Schüler seiner Klasse befragt, auch Fehlanzeige, aber seine Klassenlehrerin gab mir die Adresse von seiner Freundin Cora Meier.«
»Und? Was hat sie gesagt?«
»Sie war nicht in der Schule. Krank. Wir können heute Nachmittag hinfahren. Bist du mit der Befragung der Anwohner schon durch?«
»Nicht ganz, aber drüben war niemand zu Hause.« Er wies auf die beiden Häuser, an denen er ergebnislos geklingelt hatte.
»Fein, dann bleibe ich hier und übernehme das.« Sie holte mit einem triumphierenden Blick Gummistiefel aus dem Kofferraum ihres Wagens und schlüpfte hinein. Tann grinste, stieg in seinen Wagen und fuhr davon, während seine Kollegin direkt auf einen Mann zuging, der gerade mit seinem Wagen vorgefahren war.
Tann machte einen Abstecher zu Hause vorbei, um sich trockene Socken und Schuhe anzuziehen, zur Begeisterung seines Sohnes, der ihm mit Freudengeschrei entgegenkam.
»Bleibst du heute da, Papa?«, erkundigte er sich jubelnd. Josef nahm seinen Sohn auf den Arm und wirbelte ihn durch die Luft.
»Ich muss gleich wieder weg, aber heute Abend gehe ich mit dir zum Baden.« Mit einem Juhu tanzte Christian durch die Wohnung und Cäcilia, die gerade herein kam, sagte lächeln:
»Du machst jetzt deinen Mittagsschlaf und wenn du aufwachst, lesen wir das neue Buch, welches die Oma mitgebracht hat!«
»Immer schlafen, ich will in den Garten, Mama!«, zeterte Christian aber seine Mutter kannte kein Pardon.
»Wenn du heute Abend mit Papa zum Baden willst, schläfst du im Wasser ein.«
Sie lächelte und packte ihren Sprössling energisch unter die Decke, wo er schon nach wenigen Minuten fest eingeschlafen war.
Kurze Zeit später war Tann in seinem Büro, wo Vera Senft schon ungeduldig auf ihn wartete.
»Das Fahrrad des jungen Wieners ist genau wie der Junge zweimal überrollt worden, dass hat die technische Untersuchung ergeben. Die Beschädigungen am Fahrrad sind höchstwahrscheinlich von einem Fahrzeug mit Frontschutzbügel verursacht worden. Die Untersuchung nach Lackspuren ist allerdings noch nicht abgeschlossen.« Tann sah mit gefurchter Stirn aus dem Fenster und nickte abwesend.
»Ich bin sofort davon ausgegangen, dass er mit Absicht überfahren wurde, allein schon wegen der Fesseln an seinen Händen. Wenn es wirklich ein Fahrzeug mit Kuhfänger war, bestätigt das nur meine These. Die Dinger sind nicht mehr erlaubt. Ich könnte mir denken, dass es mit dem Mord am Pulverbach zusammenhängt.«
»Du meinst, der Junge hat die Männer beobachtet, als sie die Geräte geklaut haben, und sie haben extra ein Fahrzeug mit Frontbügel genommen, um ihn zu töten?«
»Genau. Es hatte in der Nacht geregnet, die Schuhe des toten Jungen waren ziemlich schmutzig. Ich denke der Junge war auf dem Baugebiet und hat dort etwas beobachtet. Die Täter haben ihn bemerkt, dann gefesselt und geknebelt. Irgendwie hat er es geschafft sich loszureißen, und dann haben sie ihn überfahren.«
»Die Idee hat nur einen Haken. Woher wussten die Täter in welche Richtung er fährt?« Tann hatte sich in seinen Bürostuhl geworfen und spielte mit seinem silbernen Drehbleistift. Plötzlich griff er sich ein Blatt und machte eine Skizze.
»Hier ist Steinhagen«, erklärte er, während Vera ihm über die Schulter sah. »Das Baugebiet liegt am Ortsausgang, dort wo der Fahrradweg anfängt. Ich nehme an, der Junge hat bis nach Brockhagen den Radweg benutzt und ist quer durch den Ort bis zur Unglücksstelle an der Vennorter Straße gefahren, schließlich wohnt er dort in der Nähe.« Vera hatte die Zeichnung interessiert betrachtet und meinte nun:
»Bis dort sind es fast drei Kilometer. Entweder haben die Täter den Jungen verfolgt, oder sie haben ihn gekannt.«
»Verfolgt, glaube ich nicht«, erklärte Tann bestimmt. »Sicher hat er damit gerechnet und wäre dann irgendwo zwischen den Häusern verschwunden. Die Täter müssen ihn gekannt haben. Nach den wenigen Spuren, die wir an der Straße gefunden haben, muss das Auto ihn direkt am Randstreifen erwischt haben. Wer da fährt, ist entweder betrunken oder macht es mit Absicht. Der Tote lag etwas abseits im hohen Gras, ein Zeichen dafür, dass der Unfallverursacher den Toten dorthin geschleift hat. Es gab zudem keinerlei Bremsspuren.«
Vera war ans Fenster getreten, schaute kurz hinaus und wendete sich dann wieder ihrem Kollegen zu. »Wir dürfen trotzdem die Möglichkeit nicht ausschließen, dass jemand ihn durch Unachtsamkeit überfahren hat.«
Tann unterbrach sie heftig und fauchte:
»Ohne auf die Bremse zu treten? Das glaubst du doch selbst nicht!«
»Vielleicht hat der Fahrer die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt.«
»Ach, und dann dreht er um und fährt noch mal drüber! Das gibt es doch gar nicht. Für mich ist das Mord!«
Vera war jetzt fast genauso rot im Gesicht wie ihr Haar und antwortete empört:
»Ich habe gemeint, dass jemand ihn versehentlich, ich meine…«. Sie geriet ins Stottern, und Tann half ihr:
»Du meinst, es war ein normaler Unfall und im Schock hat er gewendet, um keine Zeugen zu haben.«
Sie stieß die Luft durch die Zähne und antwortete verbissen:
»So