Leben wir in einer Illusion?. Lutz Gaudig
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Wichtig war, dass die Ergebnisse wirtschaftlich und militärisch verwertbar waren.
Er war in den Palast gerufen worden.
Hieron hatte nach ihm verlangt, Hieron, der Herrscher, sein Freund.
Er saß vor dem Audienzzimmer, überlegte, warum er hatte herkommen sollen.
Fragen zum Hebelgesetz dürften es nicht mehr sein.
Die von ihm inszenierte öffentliche Show vor ein paar Tagen hatte dies eindrucksvoll bewiesen.
Anlass war wie immer sein loses Mundwerk.
Bei einem Gelage war es, im Palast.
Nach einigen Bechern Wein und im Beisein schöner Frauen fühlte er sich genötigt, et was Besonderes von sich zu geben.
Die Gespräche drehten sich um Wissenschaft, Götter und neue Erfindungen, und plötzlich sahen alle Archimedes an.
„Und was sagst du dazu?
Gibt es etwas, was wir noch nicht wissen?
Verheimlichst du uns noch et was Neues?“
Archimedes sah hinüber zu Hieron.
Dieser war aufmerksam geworden, hatte einige Wortfetzen des Gesprächs aufgefangen.
Er stand auf.
„Gib mir einen Punkt, auf dem ich stehen kann, und ich werde dir die Welt aus den Angeln heben.“
„Die ganze Welt?“
„Die ganze Welt, Hieron!“
Der Herrscher überlegte.
„Nun, Archimedes, mir genügt, dass du ein vollbeladenes Kriegsschiff nebst Besatzung bewegst, du oder ein anderer Mann, aber allein.
Dein Punkt, den du brauchst, sei ein beliebiger unseres Hafens.
Du hast drei Wochen Zeit.“
Er musste heute noch lächeln.
Diese Aufgabe war ganz nach seinem Geschmack.
Sie war einfach.
Er konnte sich aber gut in Szene setzen, konnte sich darstellen und seinen Mythos stärken.
Es war ein grandioses Schauspiel an einem bildschönen Tag.
Eine Menge Volk war gekommen.
Natürlich fehlten auch die nicht, die sich für wichtig hielten, die Reichen und Schönen.
Hieron selbst saß auf einer eigens für ihn errichteten Tribüne.
Händler aller Couleur säumten den Platz, den die ansässigen Gastwirte mit einfachen Bänken vollgestellt hatten.
Alle Plätze waren besetzt, viele standen.
Der Wein floss zur Zufriedenheit der Anbieter.
Braten oder Brot mit Ziegenkäse und Oliven wurden dazu gereicht.
Archimedes liebte dieses Duftgemisch, das zu ihm her über wehte.
Eine Glocke aus vielstimmigem Lärm lag über dem Hafen, als sich Hieron erhob.
Ein lautes Hornsignal gebot Ruhe.
„Beginne, Archimedes!“
Der Herrscher winkte ihm huldvoll zu.
Er sah es genau vor sich, das Admiralsschiff.
Es lag voll beladen am Pier.
Die Besatzung stand auf Deck.
Genau 14 Tage hatte es gebraucht.
Dann waren alle Flaschenzüge und Seilwinden am Schiff angebracht.
Archimedes hatte alles selbst vermessen, jedes Seil über prüft, vor allem die Rollen.
Er gab das Zeichen.
Sein Mann setzte sich in Bewegung, stemmte sich kräftig in die Seile.
Knisternde Stille!
Das Schiff begann, sich zu bewegen, langsam erst, dann schneller.
Der tosende Jubelschrei fuhr ihm heute noch in die Glieder.
Jemand rüttelte ihn an seiner rechten Schulter.
„Der Herrscher er wartet dich!“
Der Audienzraum war nicht unbedingt prachtvoll, aber sehr praktisch eingerichtet.
„Ich grüße dich Hieron!
Du hast mich rufen lassen?“
Der Herrscher stand hinter dem großen Tisch, Archimedes den Rücken zugekehrt.
Er schien etwas zu betrachten, et was in s einen Händen.
„Ach du, Archimedes, sei gegrüßt.
Komm hier her über, und setz dich.“
Hieron kam gemessenen Schrittes um den Tisch herum und wies auf zwei Bänke, die im rechten Winkel zueinanderstanden.
In seinen Händen hielt er einen goldenen Gegenstand.
„Dies, Archimedes ist die Krone, die ich zur letzten
Sommersonnenwende Zeus weihte.
Möglicher weise hat der Goldschmied mich betrogen.
Ich werde den Verdacht nicht los.
Sieh genau hin.
Ich denke, das Gold hat nicht den üblichen weichen Schimmer.
Hier im Licht glänzt sie härter.“
„Und was soll ich tun, Hieron?“
„Finde heraus, ob sie aus reinem Gold besteht oder ob der
Goldschmied Silber untergemischt hat!
Aber du darfst sie nicht beschädigen, sie ist geweiht.“
Tage später, bei sich zu Hause, untersuchte er sie mittels seines Archimedischen Prinzips, dem von ihm entdeckten Auftriebsgesetz.
Er tauchte zunächst die Krone in einen vollen Wasserb ehälter und dann in Reihenfolge einen Goldbarren und einen Silberbarren.
Die Barren wogen jeder genauso viel wie die Krone.
Er maß die Menge des jeweils ausgelaufenen Wassers.
Die