DEBORA. T.D. Amrein
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„Ja, aber von wem?“
„Von einem Piercingstudio. Stimmt, eine seiner Brustwarzen war offenbar frisch durchstochen und deshalb angeschwollen. Das habe ich doch in meinem Bericht so festgehalten. Also ist das keine große Neuigkeit oder worauf willst du hinaus?“ „Lies bitte den Briefkopf genauer!“
„Frau Dr. med. dent. Debora Nagel …
Ist doch kaum die Gleiche? Das wäre ja ein Riesenzufall!“, sagte Claude kopfschüttelnd.
„Das muss die Gleiche sein“, antwortete Guerin. „Keine zweite Zahnärztin in Basel mit diesem Namen. Basel ist keine Millionenstadt und der Name Nagel ist dort auch nicht gerade häufig.“
„Über deutsche Namen weiß ich natürlich nicht so genau Bescheid wie du“, gab Claude zu.
„Du hast auch keine Anzeichen für ein Fremdverschulden gefunden, wenn ich mich richtig erinnere?“
„Nein, da war gar nichts, nicht einmal Alkohol. Zumindest was die Standardtests hergeben, eine gezielte toxische Untersuchung war nicht vorgesehen“, antwortete Claude.
„Würdest du das dann bitte nachholen!“
„Ja natürlich. Dauert allerdings mindestens zwei Wochen, bis die Ergebnisse da sind“, gab Claude schulterzuckend zurück.
„Diesmal ist mir das egal! Bis ich die Dame gründlich durchleuchtet habe, werden sicher auch noch einige Wochen vergehen“, antwortete Guerin. „Ich muss mit Kommissar Gruber aus Basel sprechen. Bin gespannt, ob der etwas über sie hat.“
„Grüß ihn von mir!“
„Ja, mache ich bestimmt“, versprach Guerin.
***
Michélle traf am Dienstagmorgen auf der Ortsverwaltung von Hausen ein. Sieber hatte für sie eine Aufstellung mit den Personen, die sie befragen wollte, im Voraus bestellt. So dass sie diese nur noch abzuholen brauchte.
Die Liste umfasste alle Einwohner von Hausen mit den Jahrgängen vor 1932. Total achtzehn Namen, zusammen mit den Adressen.
Michélle hatte sich für die erste Befragung die beiden Ältesten mit Jahrgang 1905 und 1910 ausgesucht.
Von diesen Zeitzeugen erhoffte sich Michélle nicht nur Einzelheiten über die verschwundene Familie, sondern auch allgemeine Auskünfte über die damaligen Lebensumstände.
Helga Attinger wohnte im Altersheim am Ort, mit ihren fünfundachtzig Jahren war sie die Älteste der Auswahl. Nachdem Michélle ihr erklärt hatte, was sie von ihr wollte, verschwand das Lächeln auf dem Gesicht der Alten.
„Wie ich das Kriegsende erlebt habe!“, moserte sie. „Wozu brauchen Sie das denn?“
„Es interessiert mich einfach“, behauptete Michélle keck.
„So so, es interessiert Sie. Wie war doch gleich der Name?“
„Steinmann, Michélle.“
„Verheiratet?“
„Nein.“
Die Alte kicherte. „Ich hab auch keinen abgekriegt. Als ich noch ganz jung war, wollte ich keinen. Im Krieg waren dann kaum noch Männer da und danach war ich schließlich zu alt“, stellte sie ziemlich nüchtern fest.
„Ich habe einen festen Freund“, verteidigte sich Michélle.
„Aber er will dich nicht heiraten?“, bohrte die Alte.
„Das weiß ich nicht“, antwortete Michélle schon etwas verlegen. Dass die Alte schon zum du übergegangen war, irritierte sie, dazu der penetrant forschende Blick.
„Wieso weißt du das nicht? Merkst du das nicht? Es reicht ihm, dass du die Beine breitmachst wie die meisten. Sobald er dich überhat, sucht er sich das nächste Küken, das auf einen Ehemann hofft.“
Jetzt wurde Michélle richtig rot. „Wir kennen uns noch nicht so lange, aber er ist sehr nett“, versuchte sie.
„Was meinst du, wie oft ich das gesehen und erlebt habe, Mädchen. Die Männer sind immer gleich! Sobald du nachgegeben hast, ist der Reiz vorbei und du darfst noch die Lücke füllen, bis er eine Neue gefunden hat.“
Michélle wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Die Art, wie Helga mit ihr sprach, schockierte sie. Immerhin schien sie gewisse, eigene Erfahrungen gemacht zu haben.
Die ihr alle romantischen Illusionen ausgetrieben hatten?
Ein schwacher Schauer durchfuhr Michélle. War sie sich mit Eric wirklich so sicher?
Leiser Argwohn hatte sich auch schon mal eingeschlichen, wenn eine besonders hübsche Frau in der Nähe gewesen war. Das musste sie sich eingestehen.
„Ich sehe dir an, was du denkst“, fuhr Helga fort. „Stell ihm ein Ultimatum! Halt ihn dir vom Leib, bis er sich entschieden hat! Das ist der beste Rat, den ich dir geben kann.“
„Bitte, Frau Attinger!“, versuchte Michélle einen neuen Anlauf. „Ich werde über Ihren Rat nachdenken. Aber eigentlich wollte ich nicht über mich sprechen. Was haben Sie denn nun in der letzten Zeit des Krieges erlebt? Wie war Ihr Frühling 1945?“
Dass sie das Gespräch aufzeichnen wollte, hatte sie völlig vergessen. Aufmunternd lächelte sie die Alte an.
„Arbeitest du für die Zeitung?“, fragte Helga, anstelle einer Antwort.
Michélle seufzte. „Nein, ich bin Polizeibeamtin, wie ich doch am Anfang gesagt habe.“
„Nehmen die jetzt auch Frauen oder willst du nur angeben? Weshalb trägst du denn keine Uniform? Hast du einen Ausweis?“
Michélle dämmerte, dass das Gespräch kaum von Nutzen sein würde. Trotzdem kramte sie ihren Ausweis hervor und legte ihn vor der Alten hin.
„Wo habe ich nur meine Brille gelassen?“, jammerte Helga. Sie stand auf und begann zu suchen.
Michélle wartete geduldig.
„Weißt du, ich lege sie immer an den gleichen Platz. Aber dort ist sie nie, wenn ich sie brauche“, erklärte Helga, während sie mit den Händen über die Möbel tastete.
Plötzlich blieb sie stehen. „Wie war doch gleich der Name?“
„Michélle, Michélle Steinmann.“
„Hörst du, Michélle, ruf eine Schwester! Die wissen immer, wo die Brille ist.“
„Soll ich vielleicht helfen?“, fragte Michélle nach.
„Du willst doch nur sehen, was es bei mir zu holen gibt! Ich bin zwar alt, aber nicht so dumm, wie du denkst!“, giftete Helga zurück.
Michélle schluckte leer, die Alte tat ihr leid. Aber was sollte sie machen? Umständlich klaubte sie ihren Ausweis von der Glasplatte, die über das Tischtuch gelegt war.