Perry Rhodan Neo 229: Die Schwarze Flut. Rüdiger Schäfer

Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу Perry Rhodan Neo 229: Die Schwarze Flut - Rüdiger Schäfer страница 7

Perry Rhodan Neo 229: Die Schwarze Flut - Rüdiger Schäfer Perry Rhodan Neo

Скачать книгу

verlegen mit den Schultern. Ein paar Sekunden lang sagte keiner etwas.

      »Ich werde mich an Gonozal den Siebten persönlich wenden«, brach Thora schließlich das Schweigen. »Seit Perry mit Atlan und Mirona Thetin aufgebrochen ist, besteht eine ständige Kommunikationsverbindung zum imperialen Flaggschiff. Das tue ich aber nur unter einer Bedingung ...«

      »Und die wäre?«, fragte Steflov.

      »Geben Sie mir etwas für meinen Kopf. Etwas, das wirkt ... und ersparen Sie mir jegliche Vorhaltungen bezüglich Nebenwirkungen und eventuellen Spätschäden.«

      »Das kann ich unmöglich verantworten.« Der Arzt leckte sich nervös die Lippen. »Schon die Freistellung für den Dienst habe ich nur sehr ungern erteilt. Ich müsste Sie eigentlich sofort stationär einweisen und hierbehalten. Sie wissen, dass mir dieses Recht zusteht und dass ich Sie notfalls gegen Ihren Willen ...«

      Er brach ab und stieß einen Laut der Resignation aus. Thora hatte ihn während seines kurzen Monologs nur stumm mit ihren rötlichen Augen fixiert. Das genügte.

      »Na schön«, lenkte der fast zwei Meter große Mann ein. »Der Form halber benötige ich allerdings Ihre Bestätigung, dass Sie die Medostation gegen meinen ausdrücklichen Rat verlassen. Ich flehe Sie jedoch an: Wenn es schlimmer wird, melden Sie sich! Sofort!«

      »Versprochen«, akzeptierte die Arkonidin, während ihr Steflov ein dünnes Datenpad reichte. Thora Rhodan da Zoltral presste ihren Daumen auf ein gekennzeichnetes Feld und entband den Chefarzt dadurch von jeglicher Verantwortung für seine Patientin. Dann erhob sie sich und strebte auf das breite Doppelschott zu, das aus dem Büro hinausführte. Bevor sie es erreichte, drehte sie sich noch einmal um.

      »Und Doktor ...« Auf ihren Zügen lag ein freundliches Lächeln. Steflov sah sie fragend an. »Bitte handeln Sie nie wieder über meinen Kopf hinweg, wenn es um die offizielle Kontaktaufnahme mit imperialen Stellen geht. Habe ich mich da klar ausgedrückt?«

      »Glasklar, Ma'am«, versicherte Drogan Steflov.

      4.

      Perry Rhodan

      Das Klirren machte einem scharfen Zischen Platz. Perry Rhodans Einsatzanzug hatte soeben selbsttätig den Verschlusszustand hergestellt. Tausende winziger Kristallsplitter rasten als Mikrogeschosse auf ihn zu und verdampften im gerade noch rechtzeitig aktivierten Schutzschirm. Sekundenlang sah Rhodan so gut wie nichts. Dann hatten sich die Systeme seiner Montur justiert und lieferten ein künstliches Bild der Umgebung, das auf den Messungen der Ortungssensoren basierte.

      Der Kristallwald war zu gespenstischem Leben erwacht. Die Kronen der Bäume schüttelten sich, als würden sie von einem Orkan gebeutelt, doch es gab keinen Wind. Rhodan sah, wie sich ein doppelt mannsdicker Stamm so weit nach hinten bog, dass seine Äste beinahe den Boden berührten. Nach menschlichem Ermessen hätte er eigentlich brechen müssen. Stattdessen verharrte er einen Augenblick in seiner unnatürlichen Stellung – und peitschte dann wie der Hebelarm eines abgefeuerten Katapults nach vorn, um einen weiteren Regen aus Splittern abzuschießen.

      Rhodan hob instinktiv die Arme. Die Belastungsanzeige seines Abwehrschirms stieg kurzzeitig auf über achtzig Prozent. Für die Mission zum Elysischen Fragment hatte er eine der schweren terranischen Einsatzmonturen gewählt. Im Gegensatz zu den leichten Versionen vermochten sie einen Schutzschirm auf hyperenergetischer Basis zu errichten. Für die Abwehr materieller Objekte und ihrer kinetischen Energie war allerdings auch ein normales Prallfeld geeignet.

      Die Wucht des Schwarms aus Kristallsplittern, der auf Rhodan einprasselte, ließ ihn taumeln. Neben ihm wurde Mirona Thetin von gleich zwei Bäumen gleichzeitig attackiert. Rhodan hatte keine Ahnung, wie leistungsfähig ihre schwarze, aus Andromeda stammende Einsatzkleidung war, die eher an eine Uniform als an einen Schutzanzug erinnerte, doch die Liduuri zeigte sich von dem Angriff nur mäßig beeindruckt. Für einen Moment war sie in eine flirrende Kristallwolke gehüllt. Dann schien sie aufzuleuchten. Die Mikrofragmente verglühten in rotem Feuer, zerfielen zu Staub und rieselten wie Asche zu Boden.

      Seltsam, dachte Rhodan. Funkgeräte, Flugaggregate und Waffen funktionieren nicht, doch unsere Individualschirme sind intakt. ...

      »Wir müssen da durch!« Atlan da Gonozal tauchte vor ihm auf. Er war nur schemenhaft zu erkennen, weil die umstehenden Bäume soeben ein paar neue Salven abfeuerten. Der Arkonide deutete mit ausgestrecktem Arm auf den Waldrand.

      »Bist du verrückt?«, rief Rhodan. »Wir sollten lieber so schnell wie möglich verschwinden ...«

      Atlan packte ihn hart am Arm und zog Rhodan zu sich. »Wir können den Wald weder umgehen noch überfliegen. Also bleibt als einzige Möglichkeit, ihn zu durchqueren. Die Bäume stehen dort so dicht, dass sie sich gegenseitig behindern. Und Mirona und ich werden dich mit unseren Schirmen unterstützen. Los!«

      Rhodan ärgerte sich, dass er das alles nicht selbst sofort erkannt hatte. Der Arkonide hatte recht. Wenn sie sich zurückzogen, gewannen sie nichts. Im Gegenteil. Tatsächlich war in ihrer Situation das Innere des Walds der sicherste Ort. Dort hatten die Bäume erheblich weniger »Bewegungsfreiheit« und konnten ihre gefährliche Last nicht mehr ungehindert auf ihre Opfer schleudern.

      So viel zu der mir oft nachgesagten Fähigkeit des sofortigen Umschaltens, dachte er.

      Thetin und Atlan übernahmen die Führung; Rhodan setzte sich so dicht wie möglich hinter sie. Die Bäume am Waldrand schienen zu spüren, was sie vorhatten, denn sie verstärkten ihren Beschuss noch einmal. Das Trio musste sich durch eine Wand aus Kristallsplittern kämpfen. Rhodan war ziemlich sicher, dass sein eigener Schutzschirm diesem Ansturm nicht standgehalten hätte. Die Liduuri und der Arkonide hatten ihre Schirmblasen dagegen erweitert, sodass sie einander wechselseitig verstärkten und ihn mit einschlossen.

      Schritt um Schritt kamen sie der Baumgrenze näher. Rhodan hatte den Kopf gesenkt und stemmte sich gegen den Blizzard aus Kristallen. Es fühlte sich tatsächlich so an, als stecke er mitten in einem Schneesturm fest. Lediglich das übliche Heulen des Winds war durch das Zischen der in den Schutzschirmen vergehenden Kristallfragmente ersetzt worden.

      Sobald sie zwischen die Stämme des Walds eintauchten, ließen die Attacken augenblicklich nach und endeten nach wenigen weiteren Schritten komplett. Dennoch entschieden sie sich, die Anzüge geschlossen zu lassen. Keiner von ihnen wusste, welche Überraschungen die seltsamen Kristallgewächse außerdem noch in der Hinterhand hatten.

      Nun standen die Bäume so eng zusammen, dass sich ihre Kronen überlappten. Als Rhodan den Kopf in den Nacken legte, konnte er sehen, wie sie sich schwerfällig hin- und herbewegten. Dabei entstand offenbar ein gewisser Abrieb, der wie Schnee nach unten rieselte, ihnen jedoch nicht gefährlich werden konnte. Das Umgebungslicht hatte sich stark verringert. Dennoch glänzten und glitzerten die Kristallflocken wie Millionen von Diamanten. Unter anderen Umständen hätte Rhodan den Anblick genossen.

      Auch der Untergrund hatte sich verändert. Rhodan bemerkte eine zentimeterdicke Schicht aus Kristallstaub, in die seine Füße einsanken. Jeder Schritt erzeugte eine kleine Wolke aus aufstiebenden und auseinanderwirbelnden Teilchen, die sich nur langsam wieder absenkten.

      Weil zu wenig Platz war, um nebeneinander zu gehen, hatte sich Atlan an die Spitze gesetzt. Danach folgte Rhodan; Thetin bildete die Nachhut. Es war verrückt: Während sie im Gänsemarsch durch eine bizarre Kristallwelt stapften, die real existieren oder ein komplettes Phantasiegebilde sein mochte, kämpfte das Große Imperium im Arkonsystem wieder einmal um seine Existenz.

      Rhodan machte sich keine Illusionen. Wenn die

Скачать книгу