Vom Winde verweht. Margaret Mitchell

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Vom Winde verweht - Margaret Mitchell

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so auszusehen, als läge ihr Herz im Grabe. Jäh hörte sie auf zu grüßen und zu winken, als Pittypat ins Zimmer stürzte und sie vom Fenster wegriß. »Kindchen, hast du den Kopf denn ganz und gar verloren, daß du Männer vom Schlafzimmerfenster aus grüßt? Ich bin entsetzt, Scarlett; was würde deine Mutter dazu sagen?«

      »Sie wissen doch nicht, daß es mein Schlafzimmer ist.«

      »Aber sie könnten es denken, und das ist ebenso schlimm. Alle werden nun über dich reden, und jedenfalls weiß Mrs. Merriwether, daß es dein Schlafzimmer ist!«

      »Und nun erzählt die alte Katze das überall herum?«

      »Kindchen, Dolly Merriwether ist meine beste Freundin!«

      »Meinetwegen, aber eine alte Katze ist sie trotzdem - ach, es tut mir ja leid, Tantchen, weine nur nicht! Ich habe ganz vergessen, daß es mein Schlafzimmerfenster war. Ich wollte sie nur vorbeifahren sehen. Ach, ich wollte, ich könnte mitfahren.«

      »UmHimmels willen, Kindchen!«

      »Jawohl, ich habe es satt, zu Hause zu sitzen.«

      »Scarlett, versprich mir, daß du so etwas nicht wieder sagst. Sonst müßten die Leute ja denken, du ehrtest nicht das Andenken des armen Charlie.«

      »Ach, Tantchen, weine doch nur nicht!«

      »0h, nein ... sieh, nun mußt du auch weinen«, schluchzte Pittypat voller Wohlbehagen und suchte in der Rocktasche nach ihrem Taschentuch. Auch Scarlett wurde jetzt überwältigt und verlor alle Fassung. Sie schluchzte laut - nicht um den armen Charlie, wie Pittypat dachte, sondern weil das Räderrollen und Gelächter nun verklungen war. Melanie kam aus ihrem Zimmer hereingerasselt, eine Bürste in der Hand, ihr sonst so ordentliches schwarzes Haar war frei vom Netz und plusterte ihr in hundert winzigen Wellen und Löckchen ins Gesicht.

      »Ihr Lieben, was ist denn?«

      »Charlie!« jammerte Pittypat, barg den Kopf an Mellys Schulter und gab sich ganz dem Genuß ihres Kummers hin.

      »Ach!« Mellys Lippen zitterten sogleich, als der Name ihres Bruders fiel. »Sei tapfer, Liebes, nicht weinen. Ach, Scarlett!«

      Scarlett hatte sich aufs Bett geworfen und schluchzte herzzerreißend um ihre verlorene Jugend, um die Freuden, die ihr verwehrt wurden, schluchzte empört und verzweifelt wie ein Kind, das einst mit seinen Tränen alles erreichte und nun weiß, daß kein Schluchzen mehr hilft. Sie vergrub den Kopf in die Kissen und weinte und stieß mit den Füßen die mit Quasten behangene Steppdecke weg.

      »Ich könnte ebensogut tot sein!« Vor einem solchen Schmerzensausbruch versiegten Pittys wohlige Tränen, und Melly stürzte ans Bett, umdie Schwägerin zu trösten.

      »Liebes, nicht weinen! Denke doch, wie lieb Charlie dich gehabt hat, kann dich das nicht trösten? Denk doch an den süßen Kleinen! «

      Das Gefühl der Einsamkeit und des Nichtverstandenwerdens war so stark in Scarlett, daß es ihr den Mund verschloß, und das war gut, denn hätte sie jetzt gesprochen, so wäre manche schlimme Wahrheit zutage gekommen. Melly streichelte ihr die Schulter, und Pittypat ging auf Zehenspitzen durch das Zimmer und schloß die Vorhänge. Scarlett hob ihr rotes geschwollenes Gesicht aus den Kissen: »Laß das! Ich bin noch nicht so tot, daß ihr die Vorhänge schließen müßt. Ach, bitte, geht hinaus und laßt mich allein!«

      Wieder verbarg sie ihr Gesicht in den Kissen, und nach einigem erregten Geflüster gingen die beiden hinaus. Sie hörte, wie Melanie leise auf der Treppe zu Pittypat sagte:

      »Tante Pitty, wenn du doch nicht mehr mit ihr über Charlie sprechen wolltest! Du weißt doch, wie nahe es ihr geht. Armes Ding, sie sieht dann plötzlich so sonderbar aus. Ich weiß, sie versucht dann, die Tränen zu unterdrücken. Wir dürfen es ihr nicht noch schwerer machen.«

      In ohnmächtiger Wut stieß Scarlett das Deckbett weg und suchte nach einem Ausdruck, der alles, was sie bewegte, kräftig genug ausdrückte. »Heiliger Strohsack!« kam es schließlich aus ihr hervor, und sie fühlte sich ein klein wenig erleichtert. Wie konnte Melanie sich damit abfinden, zu Hause zu sitzen und für ihren Bruder Krepp zu tragen! Spürte sie nicht, wie das Leben mit Sporenklirren vorüberschritt? Scarlett schlug das Kissen mit Fäusten. »Sie ist nie so geliebt worden wie ich, und deshalb vermißt sie nicht, was ich vermisse. Und ... und ... außerdem hat sie Ashley, und ich habe keinen Menschen!« Und sie brach von neuem in Schluchzen aus.

      In düsterer Stimmung blieb sie bis zum Nachmittag auf ihrem Zimmer. Dann kamen draußen die heimkehrenden Picknickgäste wieder vorbeigefahren, müde vor lauter Lebensfreude und Glück, und wieder winkten sie ihr zu, und sie erwiderte trübselig die Grüße. Das Leben war nicht wert, gelebt zu werden.

      Die Erlösung aber kam von einer Seite, von der sie sie am wenigsten erwartet hätte. Zur Zeit des Mittagsschlafes kamen die Damen Merriwether und Elsing vorgefahren. Über den unerwarteten Besuch erschrocken, fuhren Melanie, Scarlett und Miß Pittypat in die Höhe, hakten sich rasch die Taille zu, strichen sich das Haar glatt und gingen in den Salon hinunter.

      »Mrs. Bonnells Kinder haben die Masern«, sagte Mrs. Merriwether in einem Tonfall, der deutlich zu erkennen gab, daß sie Mrs. Bonell für ein derartiges Vorkommnispersönlich verantwortlich machte.

      »Und die McLureschen Mädchen sind nach Virginia gerufen worden«, sagte Mrs. Elsing mit ihrer ersterbenden Stimme und fächelte sich so müde, als ginge das Folgende über ihre Kraft. »Dallas McLure ist verwundet.«

      »Wie schrecklich!« riefen ihre Gastgeberinnen im Chor aus. »Ist der arme Dallas ...«

      »Nein, nur ein wenig durch die Schulter«, fiel ihnen Mrs. Merriwether ins Wort. »Aber es hätte zu keiner unpassenderen Zeit geschehen können. Die Mädchen fahren nach dem Norden, um ihn nach Hause zu holen. Aber, Himmel, wir haben gar keine Zeit, hier zu sitzen und uns zu unterhalten. Wir müssen sofort zum Arsenal zurück und die Ausschmückung be enden. Pitty, wir brauchen dich und Melly heute abend. Ihr müßt Mrs. Bonnell und die McLures vertreten.«

      »Aber Dolly, wir können doch nicht!«

      »Pittypat Hamilton«, sagte Mrs. Merriwether energisch, »dieses Wort gibt es bei mir nicht. Ihr müßt die Schwarzen mit den Erfrischungen beaufsichtigen, das war Mrs. Bonnells Amt, und du, Melly, mußt die Bude der McLureschenMädchen übernehmen.«

      »Ach, das geht doch nicht, wo der arme Charlie erst ...«

      »Ich weiß, wie euch ums Herz ist, aber für die heilige Sache ist kei n 0pfer zu groß«, entschied Mrs. Elsing mit sanfter Stimme.

      »Wir würden euch ja so gern helfen, aber ... könnt ihr denn nicht ein paar junge Mädchen für die Bude bekommen?«

      »Ich weiß nicht«, schnaubte Mrs. Merriwether, »was die jungen Leute heutzutage haben! Jedenfalls kein Verantwortungsgefühl. Alle jungen Mädchen, die schon Buden übernommen haben, kommen mir mit mehr Ausreden, als ich Haare auf dem Kopf habe. 0h, mir machen sie nichts weis. Sie wollen sich nur ungehindert mit den 0ffizieren amüsieren, das ist alles. Sie sind bange, ihre neuen Kleider könnten hinter den Budenauslagen nicht recht zur Geltung kommen. Ich wünschte wahrhaftig, dieser Blockadebrecher ... wie heißt er doch noch?«

      »Kapitän Butler«, half Mrs. Elsing nach.

      »Ich

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