Auswahlband Schicksalsroman 8 Romane in einem Buch September 2018. Cedric Balmore

Чтение книги онлайн.

Читать онлайн книгу Auswahlband Schicksalsroman 8 Romane in einem Buch September 2018 - Cedric Balmore страница 27

Auswahlband Schicksalsroman 8 Romane in einem Buch September 2018 - Cedric Balmore

Скачать книгу

hantierte erst noch eine Weile in der Küche, spülte das Geschirr, das im Laufe des Tages beschmutzt worden war und kam nachher zu ihm zurück. Schon von der Küchentür aus hatte sie gesehen, dass er wach war. Aber als sie eintrat, schloss er rasch die Augen.

      Sie trat ans Bett, stand eine ganze Weile da, und er wagte wohl nicht die Augen zu öffnen. Plötzlich beugte sie sich über ihn und küsste ihn zart auf den Mund. Gleichzeitig strichen die Spitzen ihrer Finger über seine Schläfen.

      Bevor er seine Arme um sie schlingen konnte, richtete sie sich auf und sagte leise: „Jetzt wollte ich es.“

      Er streckte die Hände aus, sah sie flehend an, und diesmal verweigerte sie sich ihm nicht. Sie beugte sich wieder über ihn, und ließ es geschehen, dass er sie an sich zog.

      Er küsste sie wie ein Ertrinkender. Plötzlich schellte es an der Tür.

      Erst taten sie beide nichts. Aber dann richtete sich Doris auf und sagte mit einem warmen Blick auf Wieland: „Ich bin gleich zurück.“

      Als sie öffnete, stand Professor Winter vor der Tür.

      „Na, was macht unser Patient?“, fragte er und streckte Doris fröhlich die Hand entgegen.

      „Es geht ihm wieder ganz gut. Jedenfalls viel besser als gestern.“

      Professor Winter warf ihr einen prüfenden Blick zu, unter dem Doris errötete. Es ist lächerlich, dachte sie, dass ich rot werde. Aber ich kann nichts dagegen tun. Und sie war froh, dass er an ihr vorbei ins Zimmer ging.

      „Na, mein lieber Herr Graf, wie sieht es aus mit uns?“, hörte Doris ihn sagen. Und Wieland antwortete.

      „Ich könnte vor Begeisterung aus dem Bett springen, die ganze Welt umkrempeln und Bäume ausreißen.“

      „Na, nur nicht so stürmisch, junger Mann. Das lassen wir mal besser bleiben“, meinte Winter lachend. „Aber Ihre Stimme klingt schon erheblich frischer als gestern. Na, sehen wir uns den ganzen Kram mal an ...“

      7

      Am nächsten Tag rief dann Linda Hüttner wieder an. Doris brachte Wieland das Telefon an der langen Schnur, und er konnte selbst mit seiner geschiedenen Frau sprechen.

      Sie ging indessen auf die Toilette, weil sie nicht hören wollte, was er sagte. Aber die Wohnung war nicht sehr solide gebaut. Und ob sie wollte oder nicht, vernahm sie seine Stimme. Hörte, wie er sagte:

      „Aber nein doch, Linda. Es ist aus, und es ist vorbei. Aber vielleicht interessiert dich eine Neuigkeit, damit du begreifst, dass es vorbei ist. Es gibt eine andere Frau. Und es ist mir sehr ernst damit ... Krank? Ja, ich bin krank. Aber das hat damit nichts zu tun ... Es hat wirklich keinen Zweck. Es ist eine ganz ernste Sache. Es ist vorbei.“

      Es ist vorbei, dachte Doris? Und ich? Ich habe mich ja schon entschieden. Gegen meine Vernunft, gegen meine Überzeugung, gegen meine Vorsätze. Die Liebe ist einfach stärker. Ich glaube wirklich, dass ich ihn von der Sekunde an geliebt habe, da ich ihn zum ersten Mal sah. Und jetzt kann ich überhaupt nicht mehr klar denken. Ich bin wie betrunken davon. Ich muss wirklich verrückt sein. Ich wollte doch ein neues Leben, ein ganz anderes Leben beginnen. Und was tue ich? Ich binde mich an einen Mann.

      Als sie später neben ihm am Bett saß, da sagte er mit sehr ernstem Gesicht: „Wenn ich wieder richtig gesund bin, sehen wir uns dieses Anwesen an, das ich kaufen will. Ich werde es herrichten lassen und will später darin wohnen. Du wirst von mir einen Schlüssel erhalten. Und komm, wenn du kommen willst, und gehe, wenn du gehen möchtest. Ich habe mir geschworen, mich nicht mehr zu binden. Ich würde diesen Schwur brechen. Aber ich weiß, und du hast es mir selbst erzählt, dass du ebenfalls einen solchen Schwur getan hast. Ich will dich aber nicht überrumpeln und zu etwas zwingen, was gegen deine Überzeugung ist. Was hältst du von meinem Vorschlag?“

      Sie lächelte. „Es ist ein wunderbarer Vorschlag. Und was würdest du tun, wenn ich immer bliebe?“

      „Aber du hättest den Schlüssel, du könntest jederzeit gehen. Und vor allen Dingen noch eines, du brauchtest einen Wagen, damit du frei bist. Damit du wirklich gehen kannst, wenn du möchtest. Damit du nicht auf mich angewiesen bist.“

      „Hat es dich Überwindung gekostet, mir so etwas anzubieten?“, fragte sie. „Willst du nicht wenigstens eine Nacht darüber schlafen? Oder vielleicht eine Woche oder zwei warten, bis wir uns so kennen, dass man solche Entscheidungen fällen kann?“

      Er schüttelte den Kopf. „Ich brauche dich nicht näher zu kennen. Ich kenne dich bereits. In meinen Träumen hat es dich schon immer gegeben. Früher schon. Natürlich hat die Frau in meinen Träumen nicht so ausgesehen wie du. Aber sie ist so gewesen wie du in ihrem Verhalten, in ihrer Art, in ihrem Charakter.“

      Sie war nicht ganz so schnell in ihren Entscheidungen. „Warten wir noch ein bisschen“, sagte sie. Und sie dachte dabei: Vielleicht bin ich doch nicht die Richtige, wenn er mich richtig kennt. Wenn er alles von mir weiß. Und ich ... vielleicht bin ich von ihm enttäuscht. Ich glaube nicht. Ganz sicher werde ich es nicht sein. Aber ich möchte mich noch nicht entscheiden.

      Sie pflegte ihn noch drei Tage. Dann hatte das Antibiotikum so gewirkt, dass er zeitweise aufstehen konnte.

      Professor Winter hatte ihr dafür Urlaub gegeben. Und sie nahm diesen Urlaub wahr. Von Tag zu Tag ging es Wieland Graf besser. Schließlich so gut, dass sie einen Ausflug bei schönem Wetter in die Berge machten. Sie fuhr seinen Wagen. Sie ließen sich viel Zeit.

      Er saß neben ihr und schaute sie an. Und am Abend übernachteten sie in einem kleinen Gasthof ein Stück hinter Garmisch im Österreichischen.

      Wie selbstverständlich verlangte Wieland Graf ein Doppelzimmer. Und wie selbstverständlich nahm es auch Doris hin.

      Als ihre Sachen im Zimmer waren, gingen sie noch essen. Nach dem Essen dann machten sie noch einen kleinen Spaziergang im Dunkeln. Immer wieder blieben sie stehen, umarmten einander und küssten sich.

      Und dann kam ein Augenblick, den Doris immer wieder trotz vieler Gelegenheiten hinausgezögert hatte, ein Augenblick des völligen Alleinseins, des Unbeobachtetseins, ein Augenblick absoluter Intimität.

      Es wurde eine Nacht des Glücks. Dass ihn die Krankheit geschwächt hatte, konnte sie in dieser Nacht nicht mehr bemerken. Und es waren Stunden, da sie die letzten Vorsätze über Bord warf, die in ihr noch geblieben waren.

      Und wenn draußen auch die Sonne schien, und die Menschen in die herrliche Natur strebten, Doris und Wieland lagen noch nach zehn Uhr in den Betten.

      Nach einem herrlichen Frühstück fragte Doris den geliebten Mann plötzlich: „Hast du den Schlüssel bei dir? Du wolltest ihn mir doch geben.“

      Er schaute sie in glücklicher Dankbarkeit an und sagte lachend: „Es tut mir leid. Damit musst du noch etwas warten.“

      „Meinst du nicht, dass die Handwerker fertig sind?“

      „Ich weiß es nicht“, sagte er. „Aber dein Schlüssel ist es sicher noch nicht.“

      8

      Am nächsten Montag gingen sie beide in den Dienst. Danach fuhr Doris mit Wieland in die Stadt. Sie hatte keine Ahnung, wohin es ging. Als er dann endlich einen Parkplatz gefunden hatte,

Скачать книгу