Der kleine Fürst Staffel 5 – Adelsroman. Viola Maybach

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Der kleine Fürst Staffel 5 – Adelsroman - Viola Maybach Der kleine Fürst Staffel

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zu schön und viel zu neu für unser schäbiges altes Häuschen.«

      »Das bleibt nicht mehr lange so!«, erklärte Kalli. »Wart’s nur ab, die Jungs stehen schon alle in den Startlöchern. Am Wochenende fangen wir mit den Mauern und dem Verputz an.«

      »Aber das Dach ist doch noch gar nicht gedeckt!«, rief Lili.

      »Bis dahin schon«, lachte Kalli. Er strahlte vor Stolz – und vor Verliebtheit, und Lili fragte sich manchmal sorgenvoll, ob so viel Glück, wie sie es gerade empfand, nicht zu viel für einen einzelnen Menschen war. Hätte sie nur Irina Mahler ein wenig davon abgeben können!

      »Was ist?«, fragte Kalli besorgt. »Du machst auf einmal so ein trauriges Gesicht.«

      »Wegen Frau Mahler«, erklärte Lili. »Ich mache mir Sorgen um sie.«

      Kalli zog sie an sich. »Du hast ein gutes Herz, Lili.«

      »Das hat Frau Mahler auch – und Kummer noch dazu. Ich habe im Augenblick überhaupt keinen Kummer, ich bin nur glücklich.«

      »Meinetwegen?«, neckte er sie.

      Ihr Gesicht glühte schon wieder, als sie nickte.

      Er küsste sie und ließ sich auch nicht dadurch beirren, dass Patrick lauthals schrie: »Sie knutschen sich schon wieder ab!« Als Lili ihn zurückschieben wollte, hielt er sie fest und flüsterte: »Daran werden sie sich gewöhnen müssen, Lili. Außerdem dauert es nicht mehr lange, dann wird Patrick selbst knutschen – und wir werden uns rächen.«

      Sie musste lachen, dadurch verflog ihre Verlegenheit. Nun war sie es, die ihn küsste, ihrem jüngeren Bruder zum Trotz. Kalli hatte Recht: Ihre Geschwister mussten sich daran gewöhnen!

      *

      »Ich bin’s«, sagte Irina. »Ich bin jetzt bereit, mit Leonid zu sprechen, aber ich weiß nicht einmal, wo und wie ich ihn erreichen kann, Herr von Thalbach.«

      Johannes war so glücklich, ihre Stimme zu hören, dass er zunächst nur lächelte, statt etwas zu erwidern. Sie hatte ihr Versprechen gehalten und ihn angerufen!

      »Herr von Thalbach? Sind Sie noch dran?«

      »Ja, natürlich, ich freue mich so sehr, dass Sie mich anrufen, Frau Mahler, das kann ich Ihnen gar nicht sagen. Und nun werden wir beide ein wenig konspirativ vorgehen – zufällig bin ich nämlich gerade mit Leonid auf Schloss Sternberg. Und zufällig hat er das Bild bei sich, weil er uns alle um Mithilfe bei der Suche nach Ihnen bitten möchte.«

      »Oh«, sagte Irina.

      »Setzen Sie sich ins Auto und kommen Sie her«, drängte er. »Den Rest übernehme ich.«

      »Herkommen? Nach Sternberg? Aber …«

      »Überlassen Sie das mir. Werden Sie den Weg finden?«

      »Natürlich, Sternberg ist doch überall ausgeschildert, so weit ist es außerdem nicht. Aber ich bin nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.«

      »Haben Sie Vertrauen zu mir?«, fragte Johannes. »Obwohl wir uns noch nicht besonders gut kennen?«

      Ihre Antwort kam von Herzen. »Ja, das habe ich.«

      »Dann setzen Sie sich in Ihr Auto und kommen Sie her.«

      Sie schwieg mehrere Sekunden lang, bis sie endlich sagte: »Gut, ich komme.«

      Nach dem Gespräch fällte Johannes blitzschnell einige Entscheidungen. »Anna, Christian, wartet bitte einen Augenblick.«

      »Aber Leonid will uns gleich was erzählen – zu dem Bild, und das wollen wir hören. Wir haben nicht viel Zeit, Jo«, erklärte Anna.

      »Die braucht ihr auch nicht.« Johannes lächelte. »Ich will euch auch was erzählen – und auch zu dem Bild. Außerdem brauche ich eure Hilfe, wir müssen Leonids Erklärungen ein bisschen hinauszögern – schafft ihr das?«

      »Und wieso?«, wollte der kleine Fürst wissen.

      Er erklärte ihnen die Lage. Es dauerte nicht lange, bis ihre Augen strahlten wie vier kleine Sonnen.

      *

      »Ihr habt die Auktion ja alle miterlebt und wisst daher, dass ich für dieses Bild einen horrenden Preis bezahlt habe«, sagte Leonid, als sich Familie von Kant, Christian und sein Freund Johannes endlich in einem der Salons versammelt hatten. Es hatte noch einige Aufregung um Togo gegeben, weshalb Leonid ein wenig hatte warten müssen, bis sie vollzählig gewesen waren. »Es gab einen guten Grund, weshalb ich das Bild unbedingt haben wollte, denn es zeigt meine Tante Anastasia Irina, die vor rund elf Jahren spurlos aus St. Petersburg verschwunden ist.«

      »Wie bitte?«, rief Sofia. »Kannten Sie denn das Bild, Leonid?«

      Der junge Graf nickte. »Ja, natürlich kannte ich es. Mein Vater hat es gemalt, er hat uns alle gemalt. Er war begabt, aber die künstlerische Laufbahn blieb ihm versagt, weil er sich um die Geschäfte der Familie kümmern

      musste. Darunter hat er sehr gelitten. Das Bild hing jahrelang bei uns in der Wohnung, was meine Mutter immer eifersüchtig gemacht hat, denn sie hat sich nicht gut mit ihrer Schwester verstanden, die beiden waren zu gegensätzlich. Eines Tages war das Bild dann verschwunden. Mein Vater hatte es abgehängt mit der Begründung, es sei nicht gut genug, um ständig betrachtet zu werden. Er hat es verschenkt, und irgendwie muss es hierher gelangt sein.«

      »Und was ist mit Ihrer Tante passiert?«, fragte Friedrich.

      »Ich weiß es bis heute nicht, aber ich bin fest entschlossen, es herauszufinden. Sie war meine Lieblingstante, die jüngste Schwester meiner Mutter. Ich glaube, dass meine Eltern etwas über ihr Verschwinden wussten, aber wenn ich sie danach gefragt habe, sind sie mir ausgewichen. Und da sie im letzten Jahr beide kurz nacheinander gestorben sind, kann ich sie nicht mehr danach befragen. Als Tante Ina – sie mochte den Namen Anastasia nicht, ihr Rufname war Irina, wir haben sie nur Ina genannt – also, als sie verschwand, war ich siebzehn Jahre alt. Nach dem Tod meiner Eltern bekam ich plötzlich einen Hinweis, dass sie noch lebt – und zwar in Deutschland. Deshalb bin ich hergekommen, aber ich habe keine weitere Spur von ihr gefunden. Das Bild war der erste Hinweis darauf, dass sie vielleicht doch hier irgendwo in der Nähe lebt.«

      Eberhard Hagedorn erschien und flüsterte Johannes etwas ins Ohr. Dieser nickte daraufhin und verließ den Salon mit schnellen Schritten. Er kam zurück, als Leonid gerade sagte: »Ich brauche Hilfe bei meiner Suche, das weiß ich jetzt – und da ich mich hier als Freund aufgenommen fühle …« Er brach ab, als er die Frau erblickte, die hinter Johannes eintrat.

      Alle anderen drehten sich um, und da war sie, die Frau von dem Gemälde, für das der junge Graf so viel Geld bezahlt hatte. »Tante Ina!«, sagte Leonid mit erstickter Stimme. Dann stürzte er vorwärts, direkt in die weit geöffneten Arme seiner so lange schmerzlich vermissten Tante.

      Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, sagte die Baronin energisch: »Wir lassen Sie jetzt allein – ich nehme an, Sie möchten Ihre Geschichte nur Leonid erzählen, Irina.«

      Doch Irina schüttelte den Kopf. »Bleiben Sie«, bat sie. »Sie sind Leos Freunde.«

      Leonid schloss sich dieser Bitte an, und so sagte Irina ganz ruhig: »Mein Teil der

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