Big Ideas. Das Feminismus-Buch. Ann Kramer

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Big Ideas. Das Feminismus-Buch - Ann  Kramer

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Gemeinsamer Kampf

      Nach dem Tod von Marx (1883) und Engels (1895) und vor dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) arbeiteten Sozialistinnen und kommunistische Theoretikerinnen die Themen der Macht für Frauen und des allgemeinen Wahlrechts weiter aus. Führende Theoretikerinnen der internationalen kommunistischen Bewegung waren Rosa Luxemburg und Clara Zetkin in Deutschland und Alexandra Kollontai in Russland. Sie wehrten sich dagegen, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts von der sozialistischen Führung » ausgeschlossen wurden. Beim Kampf für die Befreiung der Arbeiter stellten sie die Frauenrechte in den Vordergrund.

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      In von Männern dominierten kapitalistischen Gesellschaften stand »unproduktive« Frauenarbeit am unteren Ende der sozialen Pyramide.

       Die Frauenfrage

      Rosa Luxemburgs Schriften behandeln Macht für die Frau zwar nicht als Hauptthema, doch war sie der Ansicht, dass eine Revolution der Schlüssel für ihre Emanzipation sei und Frauen das Recht zustand, außerhalb der Familie zu arbeiten. Sie prangerte die Scheinheiligkeit der christlichen Kirche und Gelehrter aus der herrschenden bürgerlichen Klasse im Hinblick auf die Geschlechtergleichheit an und äußerte, dass der kapitalistischen Gesellschaft eine echte Gleichheit der Frau fehlte. Nur der Sieg einer proletarischen Revolution könne Frauen von der Sklaverei der Häuslichkeit befreien. In ihrer Rede »Frauenwahlrecht und Klassenkampf« von 1912 beim sozialdemokratischen Frauentag in Stuttgart stellte sie fest: »Der Sozialismus hat die geistige Wiedergeburt der Masse der proletarischen Frauen bewirkt«, und ergänzte trocken, »und sie dadurch zweifellos auch zu tüchtigen produktiven Arbeiterinnen für das Kapital gemacht.«

      Luxemburg kritisierte die bürgerliche Frauenbewegung. Bürgerliche Ehefrauen waren für sie »Parasiten der Parasiten am Volkskörper« und »Lasttiere für die Familie«. Nur durch den Klassenkampf können sie »menschliche Wesen« werden. Sie behauptete, bürgerliche Frauen hätten kein echtes Interesse an politischen Rechten, weil sie in der Gesellschaft keine ökonomische Funktion übernähmen und »Mitverzehrerinnen des Mehrwerts, den ihre Männer aus dem Proletariat herauspressen« seien. Für Luxemburg war der Kampf um das Frauenwahlrecht nicht allein eine Mission für Frauen, sondern Ziel aller Arbeiter. Es war erforderlich, um das Proletariat im Kampf gegen den Kapitalismus voranzubringen.

      Mit anderen Sozialistinnen, allen voran ihrer Freundin und Vertrauten Clara Zetkin, war Luxemburg an zahlreichen Kampagnen zur Stärkung der weiblichen Solidarität beteiligt. Linksgerichtete Vorkämpferinnen trafen sich auf internationalen Kongressen zum Erfahrungs- und Ideenaustausch und gründeten internationale Frauenorganisationen.

      Im Ersten Weltkrieg unterstützten Luxemburg und Zetkin die Anti-Kriegskampagne der größten sozialistischen Frauenzeitung Die Gleichheit und riefen gegen den Militarismus auf. 1915 wurde Luxemburg wegen ihrer Haltung inhaftiert, 1916 gründete sie mit Zetkin den Spartakusbund. Diese marxistische Gruppierung bekämpfte den deutschen Imperialismus und strebte eine Revolution an.

       Eine neue Idee der Frau

      Revolutionäre Bewegungen in Russland um 1900 brachten den marxistischen Feminismus voran. Alexandra Kollontai, kommunistische Revolutionärin, stellte Frauenbefreiung und Geschlechtergleichheit ins Zentrum der internationalen sozialistischen Agenda. Ab 1905 warb sie bei den russischen Arbeiterinnen aktiv für marxistische Ideen. Sie verlangte die radikale Zerstörung traditioneller Familienbindungen und behauptete, eine Frau, die wirtschaftlich von einem Mann abhängig war und nicht am öffentlichen und industriellen Leben teilnahm, sei nicht frei.

      Ihr Artikel »Die neue Frau« von 1918 fordert Frauen auf, aus der unterwürfigen Rolle herauszutreten, die die patriarchale Tradition ihnen aufgezwungen habe, und Eigenschaften zu kultivieren, die als männlich gälten. Die neue Frau würde ihre Emotionen besiegen und starke Selbstdisziplin entwickeln. Sie würde von einem Mann Respekt fordern und nicht um materielle Unterstützung bitten. Ihre Interessen wären nicht auf Heim, Familie und Liebe beschränkt, und sie würde ihre Sexualität ausleben.

      In Gesellschaft und Mutterschaft (1916) analysiert Kollontai, wie Fabrikarbeit Mutterschaft zur Bürde macht, die Frauen und Kinder gesundheitlich und sozial schädigt. Sie setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen und staatliche Wertschätzung der Mutterschaft durch eine nationale Versicherung ein und fordert vom Staat, Verantwortung zu übernehmen für die Gesundheit einer arbeitenden Frau und ihres Kindes sowie die Kinderbetreuung während der Arbeitszeit.

      Anfang des 20. Jahrhunderts beeinflussten marxistische Feministinnen die Politik späterer kommunistischer Staaten weltweit. Noch um 1960 und 1970 inspirierten sie radikale feministische Gruppen wie »Lohn für Hausarbeit«. image

      »Der unaufhaltsame Fortschritt des proletarischen Klassenkampfes hat die arbeitenden Frauen mitten in den Strudel des politischen Lebens gerissen.«

      Rosa Luxemburg Frauenwahlrecht, Propagandaschrift zum II. sozialdemokratischen Frauentag, Stuttgart, 12. Mai 1912

       Clara Zetkin

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      1857 in Sachsen geboren, war Clara Zetkin Aktivistin in der internationalen kommunistischen Bewegung. Sie kämpfte für das Frauenstimmrecht und die Reform der Arbeitsgesetze für Frauen. Durch ihren Beitrag wurde die Sozialdemokratische Frauenbewegung in Deutschland eine der stärksten Europas. 1892–1917 war sie Herausgeberin von deren Zeitung Die Gleichheit. 1907 leitete sie das Frauenbüro der Sozialdemokratischen Partei.

      Im Ersten Weltkrieg verweigerte Zetkin den deutschen Kriegsanstrengungen die Unterstützung. Später drängte sie die Arbeiter zum Zusammenschluss gegen den Faschismus. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, floh sie in die Sowjetunion. Noch im selben Jahr starb sie in Archangelskoje nahe Moskau.

       Hauptwerke

      1907 Das Frauenstimmrecht

      1925 Erinnerungen an Lenin. Gespräche zur Frauenfrage

      1926 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

       Internationaler Frauentag und seine Ursprünge

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      Frauen aus vielen Ländern nehmen am 8. März 2018 in London teil am Marsch zum Internationalen Frauentag. 1975 führten die Vereinten Nationen den Tag, der heute in manchen Ländern ein Feiertag ist, ein.

      Der jährlich am 8. März gefeierte Internationale Frauentag geht auf das Jahr 1907 zurück, als in den USA über 15 000 Textilarbeiterinnen in New York City für bessere Arbeitsbedingungen und Stimmrechte demonstrierten. 1909 führte die Sozialistische Partei Amerikas einen nationalen Frauentag ein, der bis 1913 am letzten Sonntag im Februar gefeiert wurde.

      1910 nahmen rund 100 Frauen aus 17 Ländern an der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen (Dänemark) teil, bei der Clara Zetkin die Einführung eines Internationalen Frauentags vorschlug, an dem Frauen sie betreffende Themen in den Mittelpunkt stellen sollten. Im folgenden Jahr

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