Der Zthronmische Krieg. Matthias Falke

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Der Zthronmische Krieg - Matthias Falke

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schalten die Leitung durch und verkneifen sich jede Versuchung, das Gespräch mitzuhören!«

      »Aye, aye, Ma’am«, erwiderte der Pilot.

      Auf der Konsole sah man, wie er salutierte. Schräg hinter ihm hockte der WO des Explorers an seinem seitlich versetzten Bedienplatz. Er tippte etwas auf seinem MasterBoard. Dann machte er das Good-to-go-Zeichen in Richtung Kamera. Im gleichen Augenblick verschwand das Bild.

      Stattdessen baute sich ein anderes auf. Es war die Offizierslounge auf dem Brückendeck der MARQUIS DE LAPLACE.

      »Das klappt ja wie am Schnürchen!« Jennifer freute sich wie ein kleines Kind.

      Mit einem Blick über die Schulter sah sie nach Borissowitsch. Der gemütliche Russe stand zwei Schritte hinter ihr und starrte mit offenem Mund seinen eigenen Hauptbedienplatz an.

      »Das ist unmöglich!«, stammelte er immer wieder.

      Jennifer bedeutete ihm mit einem Kopfnicken, er möge neben ihr Platz nehmen. Und offenbar war er so verwirrt, dass er es nicht als anstößig empfand, sich von einer Fremden auf seiner eigenen Brücke Anweisungen geben zu lassen. Ohne den Blick von der Konsole zu nehmen, auf der man nun mehrere Personen erkannte, rutschte er neben Jennifer auf den gravimetrischen Sessel des Ersten Offiziers.

      »Hallo John«, zwitscherte Jennifer, als Direktor Reynolds’ asketisches Gesicht auf ihrem Bildschirm sichtbar wurde.

      Man sah den Leiter der Planetarischen Abteilung verzerrt, in der überdehnten Einstellung einer holografischen Weitwinkelkamera, die seine Nase riesig, seine Schultern und Arme aber winzig erscheinen ließ. Der genialste Wissenschaftler, den die Union je in ihren Reihen gezählt hatte, fummelte etwas an der Qbox auf der MARQUIS DE LAPLACE, die das Pendant zu derjenigen darstellte, die auf der Brücke der ENTHYMESIS stand und die Übertragung bewerkstelligte. Außer diesen beiden Geräten gab es keine Vorrichtung im gesamten Universum, mit der man ihr Gespräch hätte belauschen können.

      Endlich nahm Reynolds zwischen einigen anderen Männern Platz. Die KI der HoloKamera nahm den Fokus automatisch zurück und stellte eine mittlere Bildperspektive her. Man sah vier Personen.

      Kommandant Borissowitsch registrierte, wie die Offizierin an seiner Seite erstarrte, kaum dass sie das Bild in sich aufgenommen hatte.

      »StabsLog: Protokollfunktion«, sagte Direktor John Reynolds, viele Quadranten weit entfernt. »Die Sitzung ist eröffnet. An Bord der MARQUIS DE LAPLACE nehmen daran teil …«

      Jennifer hatte den Mund geöffnet, um etwas zu sagen. Vermutlich wollte sie Reynolds zurufen, ganz so förmlich müsse er es auch nicht machen. Doch dann ließ sie ihn gewähren. Sie schien ihre Meinung geändert zu haben. Womöglich war sie zu dem Schluss gekommen, dass die Aktivierung der Protokollfunktion kein Fehler sein mochte. Schließlich würden Dinge von außerordentlicher Tragweite verhandelt werden. Wer wusste schon, was sich daraus ergeben würde? Und wer behauptete später vielleicht, von nichts gewusst zu haben?

      »Commander Frank Norton«, zählte Reynolds auf, »Kommandant der MARQUIS DE LAPLACE im militärischen Rang eines Commodore, General a. D. Dr. Rogers, vormals Leiter der Planetarischen Abteilung, Kommissar Jorn Rankveil, Sonderbeauftragter der Union für Zthronmische Angelegenheiten, und Direktor Reynolds, amtierender Leiter der Planetarischen Abteilung. Es handelt sich um eine Besprechung auf Führungsebene, höchste Geheimhaltungsstufe.«

      »Aufseiten der Orbitalstation Alpha Ceti Tau nehmen teil: Commodora Jennifer Ash, Kommandantin des ENTHYMESIS-Geschwaders, und Boris Borissowitsch, Kommandant der Orbitalstation. Geheimhaltungsstufe ist gewährleistet.«

      Jennifer war verzweifelt. Sie suchte Nortons Blick, der scheinbar unbeteiligt auf dem gravimetrischen Sofa seiner Kommandantenlounge saß, direkt neben Jorn Rankveil, der regungslos aufgepflanzt dahockte und abwartend in die Kamera starrte. Es war nicht zu erkennen, ob er ihren Blick durch die Übertragung hindurch auffangen konnte. Sie entschloss sich, die Sache auf eigene Faust anzugehen.

      »Kurze Frage noch«, sagte sie harmlos. »Kommissar Rankveil ist kein Offizier der Union. Wie kommt es, dass er an einer internen Besprechung auf der höchsten Führungsebene teilnimmt?«

      In zwei, um einige Tausend Lichtjahre voneinander entfernten Räumen, gefror die künstliche Atmosphäre und alle beteiligten Personen hielten den Atem an.

      Jorn Rankveil sah ausdruckslos in die Kamera und ließ einige Sekunden verstreichen. Dann richtete er sich geringfügig auf. Seine stechenden schwarzen Augen blieben ruhig. Ein hintergründiges Feuer schien in ihnen zu glosen, von dem man nur ahnen konnte, dass es im Handumdrehen zu einem vernichtenden Blitzen auflodern konnte.

      »Jorn Rankveil«, sagte er herablassend, »ist Beauftragter für Zthronmische Angelegenheiten und seit diesem Vormittag Vorsitzender der Untersuchungskommission, die den Auftrag hat, die verschiedenen Vorfälle auf und über Zthronmia zu klären.«

      Er ließ das wirken und blickte Jennifer über einen Abgrund von einigen Billiarden Kilometern eiskalt an.

      »Es ist«, fuhr er schließlich fort, »Ihren Freunden daher nicht gelungen, ihn von diesem konspirativen Treffen fernzuhalten.«

      Da er sich ein wenig vorgebeugt hatte, konnte Norton ihr jetzt hinter seinem Rücken Zeichen machen. Allerdings konnten sie beide nur die Schultern heben und durch lautlose Lippenbewegungen andeuten, dass sie ruhig mit der Besprechung fortfahren sollten. Offensichtlich gab es so oder so gar keine andere Möglichkeit.

      Jennifer verfluchte Reynolds’ Quantenbox. Wie jede neue Technik barg sie Für und Wider. Und wie jede Neuerung auf dem Gebiet der Kommunikation schuf sie nicht nur Möglichkeiten des Austauschs, sondern auch der Überwachung und Bespitzelung. Hätten Sie doch eine Lambda-Ionensonde durch den Warpraum geschickt. Bei der derzeitigen Flugtätigkeit im Rahmen von Reynolds’ Sondenprogramm wäre ein Start mehr oder weniger nicht aufgefallen.

      Am besten wäre es, sie hätte freie Hand bekommen. Aber der Charakter der geplanten Aktion brachte es mit sich, dass sie ohne engste Absprache nicht zu realisieren war.

      »In Ordnung«, schaltete Dr. Rogers sich jetzt ein. »Kommen wir zu Sache.«

      Er sprach betont und für seine Verhältnisse sehr steif. Das war zum einen der Anwesenheit Jorn Rankveils, zum anderen aber auch der Protokollfunktion des StabsLogs geschuldet.

      »Commodora Ash und Kommandant Borissowitsch haben einen Versorgungsfrachter mit Nachschub für die Orbitalstation Alpha Ceti Tau angefordert. Da der letzte Frachter, die ENCOURAGE II, von zthronmischen Verbänden aufgebracht wurde und verloren ging, mangelt es nun vor allem an Treibstoff, aber auch an Wasser, Sauerstoff, Lebensmitteln, Munition und nicht zuletzt an frischen Mannschaften.«

      Insgeheim schien jeder auf einen Einwand seitens Kommissar Rankveils zu warten. Aber er saß stumm und regungslos da und lauschte den für die Ewigkeit gesprochenen Sätzen des alten Generals.

      »Die Führung der Union«, fuhr Dr. Rogers fort, »hat beschlossen, der Anfrage zu entsprechen. Der Frachter ENCOURAGE IV, ein Schwesterschiff des verlorenen, wird in diesen Stunden betankt und munitioniert. Es wird in circa achtzehn Standardstunden, das heißt morgen Vormittag, bereit zum Abflug sein.«

      »General Rogers«, sagte Jennifer. »Wir bedanken uns für die Gewährung von Nachschub und Verstärkung beziehungsweise Ablösung.«

      Sie wechselte ein schiefes Lächeln mit Kommandant Borissowitsch. Dieser glotzte immer noch mit offen stehendem Mund auf die Konsole. Von den politischen

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