Kirche der Armen?. Группа авторов

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unverzichtbar. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir die Schönheit der Barmherzigkeit Gottes erkennen und seine Tiefe in unserem Leben erfahren, damit wir in allen Lebensbereichen Barmherzigkeit leben können.

      In der christlichen Tradition unterscheiden wir zwischen leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit, wobei die jeweils 7 Werke gleich wichtig sind.

      Die Barmherzigkeit ist jedoch keine ‚Zauberformel‘ für alles und jedes. Wenn Barmherzigkeit nicht eine rein menschliche Vorstellung von humanitären Werken sein soll, ist es wichtig, sich der tieferen erlösenden, heilenden und motivierenden Kraft der göttlichen Barmherzigkeit bewusst zu werden.

       Befreiung

       1. Elisabeth Jünemann

      Die christlich-sozialethische „Option für die Armen“ verbindet sich spätestens seit der Theologie der Befreiung mit dem Auftrag zu deren „Befreiung“ – im doppelten Sinn: Befreiung des Menschen von Hunger, von Existenzangst, von Ohnmacht, von Ausgrenzung; vor allem aber Befreiung von deren Ursachen.

      Freiheit wird im Sinne der Katholischen Soziallehre verstanden als „soziale Freiheit“. Das Recht des Menschen auf Freiheit ist kein bloßes Abwehrrecht, sondern immer auch ein Recht auf Gestaltungsmöglichkeit. Armut verhindert soziale Freiheit: Sie behindert direkt die Verwirklichung von Lebenschancen. Und sie verweigert Strukturen, die es ermöglichen, sich frei ins gesellschaftliche Ganze zu integrieren.

      Papst Franziskus erinnert in der Tradition der Soziallehre und mit der Befreiungstheologie daran, „Werkzeug Gottes für die Befreiung und die Förderung der Armen zu sein, sodass sie sich vollkommen in die Gesellschaft einfügen können.“ (EG 187)

       2. Franz Helm

      Befreiung ist ein Prozess, der nie aufhört und der jeden Menschen betrifft. Auf persönlicher Ebene geht es um die Überwindung von Entfremdung, Abhängigkeiten, Schuld und Unterdrückung.

      Untrennbar damit verbunden ist die Herausforderung der Befreiung im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereich. Denn die persönliche Situation ist wesentlich mitbestimmt von gesellschaftlichen Verhältnissen. Insbesondere trifft das auf Menschen zu, die in Armut und Elend leben müssen. Ihre Situation hat fast immer strukturelle Ursachen. Daher sprechen Befreiungstheologie und katholische Soziallehre von „Strukturen der Sünde“, die bekämpft und überwunden werden müssen. Die Befreiung der Armen aus Elend und Unterdrückung setzt notwendigerweise den Einsatz für die Veränderung ungerechter Strukturen voraus.

      Der in der Bibel geoffenbarte Gott ist ein befreiender Gott, der Lebensraum für seine Kinder schafft und erhält. Diesen Lebensraum als „MitarbeiterInnen Gottes“ zu schaffen und zu sichern, ist bleibende Aufgabe einer „Kirche für und mit den Armen“, ja aller ChristInnen.

       3. Regina Polak

      Die Heilige Schrift ist ein Zeugnis der Befreiungsgeschichte der Menschheit durch Gott. So erzählt der Exodus von der Befreiung der Israeliten und „eines großen Haufens anderer Leute“ (Ex 12,38) aus Ägypten – einer religiös-politischen Ordnung, die von der Unterdrückung der Armen lebte.

      Mit der Auferstehung des Jesus von Nazareth wiederum wird die Menschheit von der Angst vor dem Tod befreit, die der Sünde Kraft verleiht. – Befreiung beschreibt eine zentrale Dimension der Erlösung und des Heiles, die Gott den Menschen zusagt. Befreit werden soll der Mensch von allen Mächten, die seine äußere und innere Freiheit bedrohen: von den äußeren Zwängen sozialer, politischer und ökonomischer Unterdrückung; aber auch von inneren Abhängigkeiten und Besessenheiten, von Angst, Schuld und Sünde, vom Aberglauben an vergöttlichte irdische Wirklichkeiten, denen sich Menschen allzu bereitwillig unterwerfen, wie z.B. Sicherheit, Macht, Erfolg, Konsum.

      Erst die Befreiung von diesen Übeln ermöglicht wahrhaftige Liebe zu Gott und den Menschen und den Einsatz für eine gerechte Welt. Gottes Befreiungsgeschichte richtet sich zuerst an die Armen. Aber auch die Reichen müssen befreit werden. Nur so kann gemeinsam eine neue, andere und gerechte Gesellschaft aufgebaut werden, in der es keine Armen geben sollte (Dtn 15,4).

       Caritas

       1. Johann Pock

      Mit „caritas“ wird das neutestamentliche, griechische Wort „agape“ ins Lateinische übersetzt, die Liebe. In den frühen Gemeinden war die Agape das caritative Helfen im Rahmen des Gottesdienstes.

      Die Liebe wurde zwar grundsätzlich von Theologen gewürdigt (wie Chrysostomus, Basilius, Augustinus, Thomas von Aquin); in der lehramtlichen Verkündigung kam die „Liebe“ jedoch nur vor als „Grundwirklichkeit“ von Familie und ehelicher Partnerschaft. Eine Verbindung von Eros und Agape im Hinblick auf die caritative Diakonie findet sich erstmals in der Enzyklika „Deus caritas est“ von Papst Benedikt XVI., wobei hier caritas als „Liebestun der Kirche“ übersetzt wird. Agape und Eros gehören zusammen – wer Liebe schenken will, muss auch Liebe empfangen können; beide bezeichnen die liebevolle Beziehung zum/zur Anderen.

      Theologisch ist die Caritas trinitarisch grundgelegt: Gott selbst ist die Liebe (1Joh 4,8). In Jesus wird die sich bis in den Tod hingebende Liebe sichtbar – gefeiert in der Eucharistie. Der Heilige Geist befähigt die Gläubigen, sich den Leidenden helfend zuzuwenden, denn „die Frucht des Geistes ist die Liebe“ (Gal 5,22). Jesus verbindet die Gottes- und die Nächstenliebe (Mt 22,34-40) – und ergänzt, dass die Selbstliebe wesentlich dazugehört (V. 39 – „wie dich selbst“). 1Joh 4,20 macht deutlich: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht“. Damit ist einer weltenthobenen Sicht der Liebe der Boden entzogen.

      Der Begriff der Caritas wurde in der katholischen Kirche im 20. Jh. zur Bezeichnung ihrer Hilfsorganisation; daher wird mit Caritas im deutschen Sprachraum zumeist die verbandliche Caritas verbunden. Nach H. Pompey versteht sich die Caritas der Kirche „als Anwältin und Helferin der Leidenden unserer Gesellschaft“. In diesem verbandlichen Bereich sind die Begriffe Caritas und Diakonie inhaltlich fast austauschbar – sie bezeichnen die katholische bzw. evangelische Hilfsorganisation.

       2. Rainald Tippow

      Caritas meint gutes und gerechtes Leben für alle. Sie ist Ausdruck des Wesens der Kirche, denn „die Kirche kann den Liebesdienst so wenig ausfallen lassen wie Sakrament und Wort“ (Benedikt XVI.). In diesem Sinn ergaben sich seit der Frühzeit der Kirche unterschiedlich stark ausgeprägte Organisationskulturen und für die weitere Entwicklung wegweisende Aussagen. „Die eigenen Güter nicht mit den Armen zu teilen bedeutet, diese zu bestehlen und ihnen das Leben zu entziehen. Die Güter, die wir besitzen, gehören nicht uns, sondern ihnen.“ (Johannes Chrysostomus)

      Die Kirche sieht sich als „Anwältin der Gerechtigkeit und Verteidigerin der Armen gegen untragbare soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, die zum Himmel schreien“ (Aparecida 2007). Das fordert von einer modernen Caritas als organisierte kirchliche Liebestätigkeit, dass sie ihre Arbeit in einem zweifachen Sinn ausübt. Zuerst geht es um die praktisch-konkrete Hilfe. Stößt sie an Grenzen oder werden hier strukturelle Ungerechtigkeiten sichtbar, so sieht sich die Caritas anwaltschaftlich-politisch gefordert, denn man muss „den Forderungen der Gerechtigkeit Genüge tun, und man darf nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist.“ (AA 8)

       3. Rainer Krockauer

      Eine wichtige Rolle im Prozess einer Kirchenentwicklung am Ort der Armen spielt die institutionalisierte Caritas. Die bunte Vielfalt organisational Gestalten unter dem Dach der verbandlichen

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