Vulkanjäger. Катя Брандис

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Vulkanjäger - Катя Брандис

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Sie schaute mich so seltsam an, als würde sie gerne etwas fragen, traue sich aber nicht ganz. Schließlich rückte sie damit heraus. „Findest du mich eigentlich nicht hübsch?“

      „Doch, natürlich – warum?“, erwiderte ich fast erschrocken.

      Sie lachte. „Na ja, italienische Jungs sagen das auch, weißt du ... sie schwärmen von deinen Augen, deiner Figur und so weiter ... aber du? Du bist irgendwie so ganz anders als alle, die ich kenne.“

      Verlegen zuckte ich die Schultern und versuchte mir auf die Schnelle etwas auszudenken. Heraus kam Kitsch pur. Aber es gab tatsächlich etwas, was ich ihr sagen wollte. „Du bist genau richtig, wie du bist. Außerdem hast du Mut, das gefällt mir.“

      Das brachte sie noch einmal zum Lächeln, ich hatte mich nicht blamiert. „Meinst du das Schwimmen am Castel? Aber das habe ich schon oft gemacht, dafür brauche ich keinen Mut mehr. Du hast welchen gebraucht.“ Ihre Finger spielten mit der Korallenkette, die sie trug. „Ich mag dich, weißt du?“

      „Ich dich auch“, brachte ich irgendwie heraus, und unsere Blicke trafen sich, hielten sich fest. In ihrem Blick las ich Neugier auf mich, und das ließ meine Knie noch weicher werden, als sie ohnehin schon waren. Hatte mich schon mal ein Mädchen so angeschaut? Wenn ja, dann konnte ich mich nicht daran erinnern.

      Doch dann verschloss sich ihr Gesicht wieder, sie wandte sich ab und warf den Rest ihrer Eiswaffel in den Mülleimer neben dem Tisch. „Aber das ist egal, oder? Morgen bist du schon nicht mehr da. Du bist nur ein Tourist. Was soll ich mit einem Touristen anfangen?“

      Nur ein Tourist. Das tat weh. Weil es stimmte.

      „Wir könnten uns schreiben“, schlug ich verlegen vor, kritzelte meinen vollen Namen und meine Web-Adresse auf eine Papierserviette und schob sie ihr hin. Giulia betrachtete die Serviette, nahm sie aber nicht.

      „Wo fliegst du hin?“, fragte sie einfach nur und stand auf. „Zurück nach Deutschland?“

      Sie hatte mich abgehakt. Und ich konnte es ihr wirklich nicht verdenken.

      „Nach Hawaii – mein Vater dreht einen Dokumentarfilm über Vulkane“, sagte ich, stand ebenfalls auf und zahlte für unser Eis.

      „Über Vulkane? Veramente?“ Giulia wirkte verblüfft.

      Dann sah ich auf die Uhr und erschrak. In zehn Minuten stiegen André und Fred ins Taxi – womöglich ohne mich!

      „Giulia ...“, sagte ich, doch dann wusste ich nicht mehr, was ich sagen sollte. „Ich muss los. Leider.“

      „Ich auch“, sagte Giulia mit flammenden Augen. „Arrivederci, Tourist. Und nächstes Mal ziehst du nicht so eine miese Nummer ab und sprichst ein Mädchen an, das du sowieso nie wiedersiehst! Sowas macht nämlich nur ein coglione, ein Arsch!“ Abrupt drehte sie sich um und marschierte aus dem Café.

      Was für ein beschissener Abschied. Mir war elend zumute, als ich durch die Straßen hetzte. Das Taxi stand schon vor der Tür, als ich keuchend vor dem Hotel ankam. Fred war gerade dabei, die Arri vorsichtig im Kofferraum unterzubringen.

      Mein Vater war nicht einmal wütend. Er sah mich nur mitleidig an. „Schwer?“, fragte er.

      „Ja“, sagte ich und schaute den Rest der Fahrt schweigend aus dem Autofenster.

      Hawaii

      Meine Laune war noch immer trostlos, als wir endlich ins Flugzeug einsteigen durften. Wenigstens hatte André für uns beide Sitzplätze nebeneinander gewählt, ich hatte kurz befürchtet, er wolle im Flugzeug vielleicht neben seinem Kollegen sitzen. Wusste ja niemand, ob sie noch was zu besprechen hatten oder so. Doch Fred ließ sich nach dem Einsteigen auf der anderen Seite des Gangs nieder, schob sich die Ohrstöpsel seines Players rein und lehnte sich mit geschlossenen Augen im Sitz zurück. Ein paar Töne entwischten – er hörte klassische Musik.

      André stopfte seinen Tablet-PC in die Tasche des Vordersitzes, streckte sich kurz und wandte sich dann mir zu. „Sag mal, Jan ... wäre es eigentlich okay für dich, wenn du im Film auftauchen würdest?“

      „Ja, klar, das ist okay“, sagte ich spontan. Also doch ins Kino, meine Freunde hatten recht gehabt. „Aber wobei willst du mich denn filmen? Ich dachte, wir nehmen Lava auf und so was ...“

      „Schon, aber der Film heißt ja Menschen und Vulkane. Den einen oder anderen Menschen hätte ich schon gerne im Bild.“ André grinste. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass Fred dich und mich bei deiner ersten Begegnung mit fließender Lava filmt.“

      „Kein Problem“, sagte ich überrascht. „Nur ... hoffentlich mache ich mich nicht zum Affen dabei.“

      „Affen nehmen Reißaus, wenn sie es mit einem Ausbruch zu tun bekommen“, meinte mein Vater. „Menschen rennen hin und wollen das Ganze anschauen. Ein wichtiger Unterschied zwischen den Arten.“

      Damit war klar, dass Weglaufen nicht infrage kam. Ich würde nur rennen, wenn André und Fred ebenfalls rannten. „Wenn ich eine Szene mit mir dämlich finde, kannst du sie ja rausschneiden, oder?“

      „Genau. Es ist nicht live. Du brauchst nichts weiter zu tun, als die Kamera zu vergessen und Spaß zu haben.“

      Klang gut. Ich nickte. „Schaff ich.“

      Der Flug war lang – weit über zwanzig Stunden, mit Zwischenlandungen in London und Los Angeles. Das war reichlich Zeit, um Giulia zu vermissen, Wut auf das Schicksal zu entwickeln und mich mies zu fühlen, weil sie mich für ein Arschloch hielt. Als wir in Los Angeles ankamen, war ich ziemlich erschöpft vom Grübeln und vom langen Herumsitzen im Jet, aber sowohl André als auch Fred wirkten noch völlig frisch. André zog los, um sich im Duty-free-Shop eine Flasche Whisky zu besorgen, während ich mit Fred in einem chromglänzenden Café blieb und mir eine Zahnbürste wünschte, weil ich einen fiesen Geschmack im Mund hatte. Fred schlug die Beine übereinander, nippte an seinem Mineralwasser und beobachtete die Menschen um uns herum.

      „Wie lange arbeiten Sie eigentlich schon mit meinem Vater zusammen, Federico?“, fragte ich ihn.

      „Acht Jahre“, sagte er. „Haben uns mal auf einem Festival kennengelernt. Wir haben dort beide unsere Filme vorgestellt.“

      „Und worum ging es in Ihrem Film?“

      „Afghanistan.“

      Das machte mich neugierig. „Sind Sie so eine Art ... Kriegsberichtserstatter?“

      „War ich mal“, sagte Fred, holte seinen E-Reader raus und starrte auf den Bildschirm. Okay, okay, schon verstanden.

      „Na, ich sehe schon, ihr seid dabei, euch anzufreunden“, sagte eine Stimme munter. André war mit seiner Duty-free-Beute zurück.

      Stumm starrten Fred und ich ihn an.

      „Los, Jungs, unser Flieger wird bald aufgerufen.“ André schwenkte unsere Bordkarten. „Wär toll, wenn ihr eure Hintern hochbekommen würdet.“

      Als wir endlich auf der Hawaii-Insel Big Island landeten, wünschte ich mir nur noch eins: möglichst schnell ins Hotel und ins Bett zu dürfen. Aber das dauerte noch, denn erst mussten wir unsere Gepäckberge

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