Marattha König Zweier Welten Gesamtausgabe. Peter Urban

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Marattha König Zweier Welten Gesamtausgabe - Peter Urban

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Er hatte das Gefühl, als ob er die ganze Welt umarmen könnte. Oben auf der Brücke schüttelte Kapitän Edward Page verzweifelt den Kopf und grinste seinen Ersten Offizier an.

      Als die Caroline in der Tafelbucht, dem Hafen vor Kapstadt, nach siebenwöchiger Reise endlich Anker warf, kam Arthur als erstes eine schmerzhafte Erinnerung in den Sinn. Vor den imposanten Tafelbergen, die diese Stadt am südlichsten Zipfel Afrikas überschatteten wie eine bedrohliche Festung aus alter Zeit, durchlebte er einen grauenvollen Winterfeldzug in Nordholland und Flandern: Diese missglückte Expedition der britischen Landstreitkräfte in den Jahren 1793 bis 1795 unter ihrem Oberkommandierenden Prinz Frederick Augustus Herzog von York und Albany war seine erste Erfahrung mit der Realität des Krieges gewesen.

      Die Männer hatten tapfer gekämpft, doch ihr nobler Anführer und seine unfähige Bande von speichelleckenden und katzbuckelnden Handlangern hatten jeden Fehler begangen, den ein Offizier nur begehen konnte. Nicht der Feind hatte die stolze Streitmacht dezimiert, sondern ein Mangel an Proviant, warmer Kleidung, medizinischer Versorgung und vor allem – vernünftiger Führung. Nachdem sie einen schrecklichen Winter mit eisigen Schneestürmen durchlitten hatten, konnte Frederick Augustus nichts anderes tun, als die dezimierten Truppen von Bremen aus nach England zu evakuieren.

      Manchmal, wenn er die Augen schloss, sah Arthur die tapferen Soldaten seines 33. Regiments vor sich: Auf dem Rückzug über die Leck, die Ems, die Weser und die Alle waren sie erfroren, in den eisigen Wassern der vier Flüsse ertrunken, an Wundbrand krepiert – oder einfach vor Erschöpfung tot umgefallen. An dem Tag, an dem er gemeinsam mit dem Skelett seines Regiments wieder Fuß auf irischen Boden gesetzt hatte, hatte er sich geschworen, die Fehler dieser alten, verkalkten Militärhierarchie unter keinen Umständen zu kopieren, sollte man ihm jemals ein eigenständiges Kommando anvertrauen. Er wollte es anders machen und vor allem besser.

      Dass er an diesem ersten Tag der zweiten Septemberwoche des Jahres 1796 seinen Fuß in Kapstadt an Land setzte und nicht auf einer vom Sturm gepeitschten, unwirtlichen kleinen Insel im Nordatlantik, verdankte der junge Offizier dennoch indirekt den Fehlern des zweiten Sohns seines Königs, Georg III. Wenn sie nicht so gut wie jede Auseinandersetzung mit den französischen Truppen in Europa verloren hätten, wären die Herren in Whitehall und St. James – verzweifelt und gedemütigt – vermutlich nie auf die Idee gekommen, Commodore Elphistone von der Königlichen Kriegsmarine zu beauftragen, General Clarke und jeden einzelnen Rotrock, der auf der britischen Besitzung St. Helena im Nordatlantik abkömmlich war, zu verschiffen und nach Südafrika zu bringen.

      Bis zur britischen Niederlage im Flandernfeldzug war die von Batavia abhängige, kontinentale holländische Besitzung den Briten freundlich gesinnt gewesen. Mit der Niederlage des Herzogs von York sah die Krone sich auf der Seestraße nach Indien plötzlich mit den französischen Revolutionstruppen konfrontiert. Nicht mehr nur von Mauritius aus bedrohten Freibeuter unter der Trikolore die Konvois der britischen Ostindischen Kompanie. Die großen, sicheren und sorgfältig ausgebauten Hafenanlagen in der Tafelbucht und in der Simon's Bay hatten es dem Direktorium in Paris ermöglicht, Dutzende von schnellen Kaperschiffen loszuschicken und den lebensnotwendigen Warenaustausch zwischen zwei kleinen Inseln im Atlantik und den Kolonien am anderen Ende der Welt zu unterbrechen.

      Zunächst hatten Commodore Elphistone und General Clarke den Franzosen und den zweitausendachthundert holländischen Soldaten in Kapstadt ein Ultimatum gestellt und einen Brief des Prinzen von Oranien an seine treuen Untertanen verlesen lassen. Als die Männer unter der Trikolore und ihre neuen Freunde nur spöttisch gelacht und abgewinkt hatten, waren die Rotröcke bis nach Simonstown am anderen Ende des Kaps der Guten Hoffnung gesegelt, in einer spektakulären Operation an Land gegangen und über die Mujzenberge, Wynberg und die Tafelberge auf Kapstadt marschiert. Sie hatten sich mit Waffengewalt genommen, was man ihnen freiwillig nicht hatte geben wollen.

      General Alured Clarke war es gelungen, seine vier Bataillone in eine schlagkräftige Miniaturarmee zu verwandeln und einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind so geschickt auszumanövrieren, dass bei diesem waghalsigen Handstreich nur ein britischer Soldat getötet und siebzehn Soldaten verletzt worden waren.

      Auf der Überfahrt hatte der junge Oberst des 33. Regiments die Meisterleistung Clarkes eingehend studiert. Sofort nach dem Fall und der Besetzung von Kapstadt hatte die Krone Verstärkung ins südliche Afrika geschickt, wohl wissend, dass Frankreich und sein holländischer Verbündeter von Batavia und Mauritius aus versuchen würden, den strategisch wichtigen Hafen zurückzuerobern. Bereits sechs Monate nach Sir Alureds Glanzleistung waren holländische Kriegsschiffe in der Tafelbucht aufgetaucht. Doch zur See war niemand Großbritannien gewachsen.

      Während Kapitän Page Befehl gab, die Passagiere der Caroline mit Schaluppen an Land zu bringen, betrachtete Arthur nachdenklich die Wracks der Holländer in der Rade.

      Kaum hatte der Offizier seinen Fuß an Land gesetzt, verflog seine ernste Stimmung zusammen mit den trüben Gedanken über den Flandernfeldzug. Als er in Portsmouth an Bord der Caroline gegangen war, hatte niemand sich die Mühe gemacht, ihn zu begleiten. Doch am Kai des Hafens von Kapstadt erwartete ihn ein ganzes Empfangskomitee: Nicht nur Oberstleutnant John Sherbrooke, Major West, Major Shee und alle jüngeren Offiziere des 33. Regiments begrüßten den leicht irritierten Neuankömmling, auch ein alter Freund aus irischen Kindertagen hatte den weiten Weg aus der Stadt bis zur Festung und den Landestegen nicht gescheut: Oberst Henry Harvey Ashton vom 12. Infanterieregiment umarmte Wesley herzlich.

      »Arthur, du siehst aus, als wärst du schon auf dem Rückweg von Indien nach England! « sagte Ashton und grinste. Die meisten der Passagiere der Caroline hatten sich bleich, erschöpft und abgemagert aus den Schaluppen auf den festen afrikanischen Boden geschleppt. Der Ire hatte einen munteren Sprung in sein neues, freies Leben gemacht. Die sieben Wochen auf See hatten ihn schwarzbraun gefärbt, und dank der ungewohnt reichlichen und regelmäßigen Mahlzeiten, die der zuvorkommende Kapitän ihm Tag für Tag hatte auftischen lassen, saß sein schäbiger Waffenrock auf Fleisch und nicht mehr auf Knochen.

      »Seit wann seid ihr in Kapstadt? « war seine erste Frage nach der

      Begrüßungszeremonie. Arthur hatte Ashton den Arm um die Schulter gelegt und strebte forsch vom Kai weg zu einer Gruppe von Pferden, die ein Mann im unverkennbaren roten Waffenrock, mit den roten und silbernen Aufschlägen seines Regiments, festhielt.

      »Die Truppentransporter sind erst vor drei Tagen eingelaufen, Sir! « war John Sherbrookes Antwort. » Und die Männer sind alle gesund und wohlauf! Wir haben niemanden auf den Krankenlisten stehen! Außerdem hat ein guter Geist dafür gesorgt, dass des Königs Shillings vor dem 33. Regiment in Südafrika eingetroffen sind! «

      Wesley warf seinem Kameraden einen erleichterten Blick zu. Die Konten seines Regiments waren schon seit Jahren ein Thema, das ihn ständig in Unruhe versetzte. Der nominelle Oberst des 33. Regiments, Lord Charles Cornwallis, hatte sich bis zur faktischen Übernahme der Einheit durch Arthur in finanziellen Dingen so sorglos gezeigt, dass ein Schuldenberg von 3039 Pfund Sterling bei verschiedenen Lieferanten in Irland aufgetürmt worden war. Den Shilling des Königs hatte der gute Lord lieber in die eigene Tasche anstatt in die Ausrüstung und Versorgung seiner Männer gesteckt.

      Durch geschicktes Balancieren mit den Konten und beruhigende Gespräche mit den wütenden Gläubigern war es dem jungen Oberst Wesley innerhalb von drei Jahren gelungen, einen Waffenstillstand auszuhandeln und zu erreichen, dass die Lieferanten nicht bereits an der Quelle abzogen, was für seine Rotröcke lebensnotwendig war. Dann hatte er den alten Cornwallis mühsam davon überzeugt, dass es für die Ehre des Regiments und für seinen eigenen Ruf besser wäre, wenn man vor der Verschickung in die Kronkolonie Ordnung schuf. Sir Charles hatte es schließlich vorgezogen, den lästigen, drängelnden jungen Offizier mittels eines Wechsels auf seine Londoner Bank loszuwerden. Damit war das 33. Regiment schuldenfrei auf dem Weg in sein großes Abenteuer, und Arthur konnte endlich seine so sehnsüchtig erwarteten Rückstände von drei Jahren Sold einstreichen. Alle

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