Sophienlust Paket 3 – Familienroman. Patricia Vandenberg

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Sophienlust Paket 3 – Familienroman - Patricia Vandenberg Sophienlust Paket

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hinauf. Heidi trippelte außer Atem hinter ihm her. Lächelnd folgte Enno den Kindern, die es kaum erwarten konnten, ihm ihre Zimmer zu zeigen.

      Enno verbrachte einen unvergesslichen Nachmittag in Sophienlust. Nun lernte er auch die einzelnen Kinder etwas näher kennen und wunderte sich über sich selbst. Nie hätte er gedacht, dass er einen so guten Kontakt zu Kindern finden würde. Sie zeigten ihm deutlich, wie sehr sie ihn mochten. Und sein kleiner Sohn war mächtig stolz auf ihn. Bei jeder Gelegenheit stellte er glücklich fest: »Nicht wahr, mein Vati ist sehr lieb?«

      Ganz ohne Tränen ging es diesmal bei Pieter nicht ab, als Enno sich von ihm und den Sophienlustern verabschiedete. »Ich komme am nächsten Wochenende wieder, Pieter«, versprach er.

      »Darüber würden wir uns alle freuen«, ergriff Denise das Wort.

      »O ja, kommen Sie recht bald wieder!«, rief Henrik aufgeregt.

      »Ja, es wäre sehr nett, wenn Sie uns tatsächlich bald wieder besuchen würden«, sagte nun auch Nick als zukünftiger Hausherr.

      »Ich komme bestimmt.« Seit langem hatte sich Enno nicht mehr so leicht und unbeschwert gefühlt wie an diesem Tag. Kinder sind wirklich ein Jungbrunnen für Menschen, die sonst nichts weiter im Kopf haben als ihre Geschäfte, dachte er, als er in seinen Wagen stieg.

      Die Kinder und Hunde liefen noch ein Stückchen hinter ihm her und winkten ihm nach. Noch einmal erblickte er im Rückspiegel die fröhliche Schar und auch das Herrenhaus mit der Freitreppe, auf der die Erwachsenen standen und ihm ebenfalls nachschauten. Dann bog er auf die Landstraße ein. Als er später die Autobahn entlangfuhr, empfand er seine Einsamkeit nach dem fröhlichen Trubel in Sophienlust doppelt schwer.

      Enno hatte sich diesen Abend ganz anders vorgestellt. Er hatte gehofft, ihn zusammen mit Juba in deren gemütlichem Appartement verbringen zu dürfen. Aber das Schicksal hatte allem Anschein nach nichts Gutes mit ihm im Sinn.

      *

      Am nächsten Morgen rief Enno im Sanatorium in der Eifel an und wurde sogleich mit Betty verbunden. Ihre klagende Stimme zerrte an seinen Nerven. Sie beschwerte sich über die Ärzte und das Personal und flehte ihn an, sie so schnell wie möglich wieder abzuholen.

      »Betty, du musst vernünftig sein«, redete er ihr zu. »Vier bis sechs Wochen musst du auf alle Fälle bleiben. Sonst wäre die Kur umsonst.« Dass der Professor ihm erklärt hatte, sie benötige vermutlich einen Aufenthalt von mehr als einem Vierteljahr, wagte er ihr nicht zu sagen. »Sobald ich es einrichten kann, besuche ich dich. Gestern war ich bei Pieter in Sophienlust. Er hat sich bereits gut in dem Kinderheim eingelebt. Du würdest den Jungen kaum wiedererkennen. Er …«

      »Ach, rede nicht so viel von dem Jungen«, unterbrach sie ihn in dem ihm so gut bekannten gereizten Ton. »Du denkst immer nur an das Kind. Ich wünschte, ich hätte ihn nie …«

      »Bitte, Betty, versündige dich nicht!«, rief er ärgerlich.

      »Ich hasse das Kind! Ja, ich hasse es! Ihm habe ich mein ganzes Leid und Elend zu verdanken! Nur ihm!«, schrie sie und legte auf.

      Enno seufzte tief auf. Bettys Zustand scheint sich noch nicht gebessert zu haben, dachte er und fühlte sich so ausgehöhlt wie ein morscher Baum.

      Am Nachmittag besuchte er Julia im Krankenhaus. An diesem Tag war sie nicht mehr ganz so abweisend. Trotzdem spürte er deutlich, dass plötzlich etwas Fremdes zwischen ihnen stand.

      Mühsam schleppte sich ihre Unterhaltung dahin. Enno war fast froh, als er sich verabschieden durfte. »Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Besserung«, sagte er leise und verließ dann das Zimmer.

      Julia brach in Tränen aus. So verlassen wie an diesem Tag hatte sie sich auch damals nach Wims Tod gefühlt. Sie verstand sich selbst nicht mehr. Weshalb war sie so abweisend zu Enno gewesen? Es war doch möglich, dass weder er noch seine Frau etwas von dem Kindestausch wussten. Vielleicht war ihre Vermutung auch nur ein Hirngespinst von ihr. Sie durfte keinen unnötigen Wirbel machen, da sie keine Beweise hatte. Sie musste sich zwingen, mit beiden Füßen auf dem Boden der Realität zu bleiben. Gleich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus würde sie nach Amsterdam fliegen und mit dem Arzt, der sie damals von ihrem Kind entbunden hatte, sprechen. Wenn sie sich doch nur an seinen Namen entsinnen könnte … Aber ja, jetzt wusste sie ihn wieder, Dr. Claus Aarhof. Sie hatte sich von Anfang an gut mit ihm verstanden. Er hatte ihr geholfen, ihre Depressionen zu überwinden. Später allerdings, als ihr Baby gestorben war, hatte sie ihn nicht mehr gesehen.

      Aber auch das passte irgendwie zu ihrem Verdacht. »Mein Gott, ich werde noch wahnsinnig«, flüsterte sie. »Ich laufe immer im gleichen Kreis herum, ohne einen Ausweg aus dem Dilemma meiner Gedanken zu finden.«

      *

      Seit einigen Tagen fühlte sich Betty bedeutend wohler. Die Nervenaufbaumittel schienen eine frappante Wirkung auf ihren Allgemeinzustand zu haben. Auch hatte sie inzwischen einen Brief an Claus Aarhof geschrieben. Danach hatte sie neuen Mut gefasst. Es erschien ihr unvorstellbar, dass Claus auf ihre flehenden Worte nicht im guten Sinne reagieren würde.

      Betty schloss die Augen und rief sich die Zeit ins Gedächtnis zurück, in der sie den jungen Arzt kennengelernt hatte. Claus hatte damals gerade seine Exa­mina hinter sich gehabt, und sie war nicht viel älter als achtzehn und ein bildhübsches Mädchen gewesen, das großen Erfolg bei Männern gehabt hatte.

      Claus Aarhof hatte ihr vom ersten Augenblick an gefallen. Mit seinen verträumten braunen Augen und dem leicht gelockten dunklen Haar glich er vollkommen dem Idealbild, das sie sich von einem Mann gemacht hatte. Seine leidenschaftliche Anbetung schmeichelte ihr außerdem. Und als er ihr einen Heiratsantrag machte, sagte sie mit Freuden ja.

      Aber die lange Wartezeit bis zur Hochzeit – er wollte erst eine gutbezahlte Stellung haben, bevor er eine Familie gründen wollte – hatte ihre Geduld auf eine Probe gestellt, die sie nicht bestanden hatte. Das Angebot, als Fotomodell tätig zu sein, hatte ihr Leben kurz darauf von Grund auf geändert. Sie war nun mit Menschen zusammen, die das Leben von einer anderen Warte aus betrachteten als diejenigen, die sich nur in bürgerlichen Kreisen bewegten.

      Claus und sie lebten sich von da an auseinander. Eines Tages trennten sie sich ganz. Wie sehr er unter dieser Trennung gelitten hatte, war ihr erst sehr viel später bewusst geworden, als sie ihm nach vielen Jahren wieder begegnet war. Erst da hatte sie begriffen, dass er sie noch immer liebte. Und nur deshalb hatte er ihr auch in ihrer schlimmsten Zeit geholfen.

      Betty stöhnte auf. Wie war es nur möglich, dass dieser Mann, der sein Blut für sie hergegeben hätte, sie nun bis aufs Blut aussaugte? Konnte ein Mensch sich denn so verändern?

      Oder wusste Claus nichts davon? Hatte er seinen Bruder vielleicht gar nicht geschickt? Hatte Martin Aarhof vielleicht irgendwie von dieser Geschichte erfahren? Vielleicht durch dieses Mädchen? Warum war sie noch nicht auf diesen Gedanken verfallen?

      Aber das änderte auch nichts an der Tatsache, dass sie erpresst wurde. Auf alle Fälle würde ihr Brief die Sache ins Rollen bringen. Sollte Claus tatsächlich nichts von den niederträchtigen Machenschaften seines Bruders wissen, würde er ihr bestimmt helfen.

      Betty atmete auf. Vielleicht würde nun doch noch alles gut werden. Vielleicht würden Enno und sie wieder zueinanderfinden. Vielleicht … Aber sie musste sich zusammennehmen und versuchen, von ihrer Sucht loszukommen. Nur aus Angst vor diesem Mann hatte sie die Tabletten genommen, sonst wäre sie innerlich zerbrochen, sonst hätte die furchtbare Angst vor der Entdeckung ihres Verbrechens sie keine Minute mehr zur Ruhe kommen lassen.

      Betty

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