Sophienlust Paket 3 – Familienroman. Patricia Vandenberg

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Sophienlust Paket 3 – Familienroman - Patricia Vandenberg Sophienlust Paket

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an. Vielleicht hätte ich mir doch lieber ein Taxi nehmen sollen? dachte sie. Dann konzentrierten sich ihre Gedanken wieder auf ihr Kind. Das Baby unter dem Sauerstoffzelt hatte keine Löckchen gehabt, überlegte sie, sondern ganz glattes Haar mit einem rötlichen Schimmer. Das Haar war auch viel länger gewesen als bei dem Baby, das sie im Kreißsaal gesehen hatte. Wie ein kleiner Engel hatte dieses Baby mit seinen weißblonden Löckchen ausgesehen.

      Auch Wim hat als Baby weißblonde Löckchen gehabt, fuhr Julia in ihren Überlegungen fort. Aber das kann doch nur bedeuten, dass das kranke Kind gar nicht mein Sohn gewesen ist. Man muss die beiden Kinder vertauscht haben. Betty Cornelius ist doch gebürtige Holländerin. Und ihr totes Kind wäre genauso alt wie Pieter …

      »Ich werde noch verrückt«, sagte Julia laut und erschrak vor ihrer eigenen Stimme. Dabei trat sie statt auf die Bremse auf das Gaspedal. Die Seitenwand eines Lastwagens wuchs plötzlich ins Riesenhafte vor ihr, bevor sie einen heftigen Stoß erhielt und dann das Bewusstsein verlor.

      Doch sehr schnell kam Julia wieder zu sich. Sie sah die Menschen um sich und stöhnte leise auf, als sie sich bewegen wollte. Etwas Klebrig-Feuchtes lief ihr übers Gesicht. Mit der Zunge fuhr sie sich über die Lippen und schmeckte das Blut.

      Noch immer stand sie unter der Schockwirkung, als zwei Männer sie vorsichtig aus dem Wagen zogen. Ein unerträglicher Schmerz durchfuhr ih­ren Körper, sodass sie wieder in Ohnmacht fiel.

      Als sie später wieder erwachte, lag sie auf einer Trage, die einen langen Korridor entlanggerollt wurde. Ein freundliches Frauengesicht, gekrönt mit einem Schwesternhäubchen, neigte sich tiefer über sie. »Wie fühlen Sie sich, Frau van Arx?«, fragte die Schwester.

      »Schlecht, sehr schlecht. Was ist nur geschehen?«

      »Sie hatten einen Autounfall. Wir haben Herrn Cornelius verständigt. Er wird bald da sein.«

      »Mein Gott, die Sachen. Pieters Spielzeug. Hoffentlich ist nichts kaputtgegangen. Pieter wäre sehr traurig. Pieter, mein kleiner Sohn«, flüsterte sie.

      Wieder verwirrten sich ihre Sinne. Auch damals hatte man sie einen langen Korridor entlanggefahren zu dem Zimmer, in dem der kleine Junge mit dem Tod gerungen hatte. Aber es war nicht ihr Kind gewesen. Ihr Kind lebte … lebte …

      »Frau van Arx, hören Sie mich?«

      Mühsam öffnete sie die Augen. Sie erblickte eine Krankenschwester. »Sie haben Besuch. Herr Cornelius ist da. Wollen Sie ihn sehen?«

      »Nein, nein …«, flüsterte sie.

      Aber die junge Krankenschwester holte Enno bereits herein. »Was machen Sie nur für Geschichten, Julia?«, fragte er erschüttert. »Wie konnte das nur geschehen? Zeugen behaupten, Sie seien schuld.«

      »Ja, ich bin schuld.« Auf einmal sah Julia diesen Mann, den sie zu lieben glaubte, mit ganz anderen Augen. Er und seine Frau hatten ihr ihr Kind genommen, während das Kind der beiden im gleichen Grab lag wie Wim. »Bitte, lassen Sie mich allein«, flüsterte sie.

      »Julia, es …«

      »Ich kann Sie nicht sehen. Ich kann nicht …« Ostentativ wandte sie ihr Gesicht der Wand zu.

      »Steht es denn so schlimm?«, fragte Enno betroffen.

      »Nein, Herr Cornelius. Sie hat sich zwei Rippen gebrochen. Sonst ist sie mit dem Schrecken davongekommen. Und die Schnittwunde an der Stirn wird völlig verheilen. Aber sie scheint noch unter der Schockwirkung zu stehen«, sagte der junge Stationsarzt und verließ mit Enno zusammen das Krankenzimmer.

      »Das wird es sein. Ja, das ist es bestimmt«, sagte er leise und verabschiedete sich von dem Arzt.

      Pieters Spielsachen waren heil geblieben. Enno holte sie aus Julias schwer beschädigtem Wagen heraus und fuhr dann los. Auf alle Fälle wollte er nach Sophienlust fahren. Denn noch eine Enttäuschung würde für Pieter wohl untragbar sein.

      *

      Auf der Fahrt nach Sophienlust musste Enno immerzu an Julia denken. Ihr verändertes Benehmen ihm gegen­über konnte doch nicht nur allein auf den erlittenen Schock zurückzuführen sein. In ihren Augen hatte es feindlich aufgeblitzt. Aber was hatte sie plötzlich gegen ihn? Sie hatten sich doch als Freunde getrennt und vorgehabt, zusammen nach Sophienlust zu fahren.

      Auch dass Julia in diesen Lastwagen hineingefahren sein sollte, war ihm unverständlich. Er kannte sie als vorsichtige und ausgezeichnete Autofahrerin. Nur eine große Erregung hätte sie in diese Situation bringen können.

      Enno schüttelte den Kopf. Er versuchte Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Ja, er nahm die ganze Angelegenheit viel zu tragisch. Der Arzt hatte recht. Julia stand noch unter der Schockwirkung. Morgen würde sicher wieder alles zwischen ihnen so sein wie zuvor.

      Trotzdem konnte Enno nicht so recht froh werden. Erst als er in das glückselige Gesicht von Pieter blickte, der seinem Auto jubelnd entgegengelaufen kam, vergaß er seinen Kummer.

      »Endlich, Vati!«, rief Pieter und umarmte ihn. »Ich hatte schon solche Angst, dass du wieder nicht kommen würdest. Aber wo ist denn die liebe Frau van Arx?«, fragte er. »Du hast doch gesagt, sie kommt auch mit.«

      »Sie lässt dich herzlich grüßen, Pieter. Weißt du, es ist etwas dazwischengekommen.« Enno hielt es für besser, dem sensiblen Kind nichts von dem Unfall zu erzählen. »Wie ich sehe, geht es dir gut.«

      »Ja, Vati. Und wo ist mein Teddy?«

      »Nur mit der Ruhe, mein Sohn«, erwiderte Enno lachend und holte die große Tragetüte aus dem Wagen.

      »Oh, und dort ist auch der Teddy. Armer lieber Teddy. Nicht wahr, Teddy, du warst sehr einsam ohne mich?« Glücklich drückte der Junge das Stofftier an seine Brust. »Vati, und das ist meine beste Freundin Heidi. Wir spielen immer so schön zusammen. Und wenn ich mal groß bin, heirate ich sie«, fügte er stolz hinzu.

      Heidi machte einen Knicks vor dem netten großen Herrn. Im Stillen beneidete sie Pieter ein bisschen, weil er noch einen Vati hatte – und noch dazu einen so lieben. Ihr Vati war nicht ganz so lieb gewesen, weil er so oft mit ihrer Mutti gestritten hatte. Nun aber lagen beide nebeneinander in dem Grab auf dem Wildmooser Friedhof.

      »Ich habe dir auch etwas mitgebracht«, sagte Enno und griff in seine Sakkotasche, um eine Konfektschachtel herauszuholen, die eigentlich für Julia bestimmt gewesen war. In seiner Enttäuschung über ihr seltsames Wesen hatte er vergessen, sie ihr zu geben. Morgen würde er ihr eine neue kaufen.

      »Oh, ist die aber schön.« Heidi strahlte vor Freude über ihr reizendes Gesichtchen. »Haben Sie denn gewusst, dass Pieter mein Freund ist?«, fragte sie erstaunt.

      »Ja, Heidi, das habe ich gewusst.«

      Nun erschienen auch die übrigen Kinder und die beiden großen Hunde, um Enno zu begrüßen. Danach gingen alle gemeinsam ins Haus, wo Frau Rennert und Schwester Regine in der Halle auf Pieters Vater warteten.

      »Frau von Schoenecker wird in ein paar Minuten hier sein«, sagte die Heimleiterin nach der Begrüßung.

      »Vati, kommst du mit auf mein Zimmer?«, fragte Pieter aufgeregt. »Ich muss dir so vieles zeigen.«

      »Natürlich, mein Sohn. Hoffentlich habe ich dir auch die richtigen Spielsachen mitgebracht.«

      »Die

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