Blaue Iris - Roland Benito-Krimi 11. Inger Gammelgaard Madsen
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Читать онлайн книгу Blaue Iris - Roland Benito-Krimi 11 - Inger Gammelgaard Madsen страница 10
„Okay, dann können wir die Tauchfreunde von der Liste streichen?“
„Ich denke, schon.“
„Wie war der Gedenkgottesdienst gestern Abend?“, fragte Emily und setzte sich an ihren Computer.
„Traurig natürlich. Iris war viel zu jung, um ihrer auf diese Weise zu gedenken. Die Kirche war total voll, aber ich habe entschieden, alle in Ruhe trauern zu lassen. Als der Gottesdienst vorbei war, habe ich die Familie begrüßt und kondoliert, dann bin ich heimgefahren.“
Roland war immer noch verwundert, dass Marianna bei dem Gedenkgottesdienst gewesen war. Was macht meine Enkelin hier?, hatte er sofort gedacht. Sie war etwas weniger überrascht, ihn dort anzutreffen, konnte er sehen. Sie hatte erklärt, dass sie Iris nicht kannte, aber ihre beste Freundin, Solveig, aus der Straße, wo sie wohnten, weil sie auch auf die Askholt Privatschule ging, und sie hatte Marianna gebeten, mitzukommen. Roland vergaß immer wieder, dass Marianna mittlerweile ein Teenager war. Für ihn war sie immer noch sein kleines Mädchen, das unter der Blutbuche im Garten auf einem roten Dreirad fuhr.
Roland war auf dem Weg in sein Büro, als Isabella und Hafid zurückkamen; mitten in einer kleineren Auseinandersetzung, wie es schien.
„Was ist los?“, fragte Roland. Sie blieben beide verblüfft stehen, als ob sie nicht erwartet hätten, dass jemand im Nebenbüro war.
„Nichts“, sagte Isabella und setzte sich auf ihren Platz.
„So klang das aber nicht.“
Hafid kratzte sich in den schwarzen, krausen Haare und sah Roland ratlos an.
„Wir haben mit Martha Bæks erwachsenen Kindern gesprochen, die immer noch in ihrem Haus sind; es war gemietet und muss geräumt werden. Sie meinten, ihre Mutter kannte Iris nicht, aber als wir gingen, habe ich an der Wand im Flur ein Foto gesehen. Da steht Martha zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher und hat den Arm um ein Mädchen gelegt, das rechts neben ihr steht. Das war ganz sicher Iris. Niemand sonst hat so blaue Augen.“
„Ja, und das sagt er erst, als wir im Auto sitzen und wegfahren, und er wollte nicht umkehren, damit wir sie nochmals befragen konnten.“
„Wir waren doch fast schon wieder beim Polizeipräsidium und es ist ja gar nicht sicher, dass die Kinder wissen, wen ihre Mutter kannte. Die wohnen doch auf Seeland, oder?“, gab Hafid zurück.
„Ja, okay, aber die wussten bestimmt, wo das Foto gemacht wurde! Auf die Art hätten wir herausfinden können, welche Verbindung Martha Bæk zu Iris hatte.“
„Das kann man doch wohl sicher mit einem Anruf klären. Hafid, darum kümmerst du dich, ja?“, forderte Roland ihn auf.
Hafid setzte sich und griff mit einem triumphierenden Blick zu Isabella nach dem Telefon.
Roland ging mit dem Kaffee zurück in sein Büro. Was war nur mit Isabella los? Er hatte sie als ruhige und ausgeglichene Frau in Erinnerung, die nicht so schnell aus der Haut fuhr. Natürlich hatte sie es in den letzten Jahren schwer gehabt mit ihrem Mann, der gehandicapt im Gefängnis saß, und mit einem teuren Hof in Skåde, den sie nicht loswurde. Er konnte nicht umhin, eine gewisse Mitschuld für ihre Situation zu empfinden. Er wollte dieses Anwesen sehr gerne kaufen, nicht nur, um Isabella zu helfen, sondern weil er es schon immer haben wollte. Aber Irene weigerte sich, umzuziehen. Sie wollte nicht aus ihrem Elternhaus in Højbjerg weg und weitere Schulden machen; die Villa genügte ihren Ansprüchen selbstverständlich auch. Jetzt hatten sie sie zudem wieder für sich allein, nachdem Irene nicht mehr als Ehrenamtliche für die Dänische Flüchtlingshilfe arbeitete. Sie hatte stattdessen eine Festanstellung in der Organisation bekommen, und, da der Flüchtlingsstrom nach Dänemark aufgrund der straffen Ausländerpolitik rückläufig war, konnten die Asylzentren die Unterbringung selbst stemmen und es gab keinen Bedarf mehr an privater Wohnhilfe.
Er hörte, dass Hafid das Telefonat beendet hatte und gedämpft mit Isabella sprach. Kurz darauf kam er in sein Büro.
„Dieses Foto wurde in der Askholt Privatschule gemacht. Martha Bæk hat da offenbar zwischendurch mal als Freiwillige gearbeitet. Sie war die ehemalige Dänischlehrerin an der Schule.“
Roland nickte; er hatte gesehen, dass Martha Bæk Lehrerin war.
„Es ist wohl an der Zeit, dass wir mit der Privatschule reden“, beschloss er, stand auf und nahm sein Tweedsakko von der Stuhllehne.
Hafid holte seinen Mantel und war startklar. Roland warf Isabella einen langen Blick zu. Er hätte lieber sie dabei gehabt, sodass sie sich im Auto hätten unterhalten können, aber sie tippte gerade etwas in ihren Computer und sah ihn nicht an.
Kapitel 6
Roland Benito war auch unter den Teilnehmern des Gedenkgottesdienstes in der Mallinger Kirche gewesen. Natürlich. Anne ärgerte sich immer noch darüber, nicht mit ihm gesprochen zu haben, aber er hatte sich am entgegengesetzten Ende der überfüllten Kirche befunden, wo mehrere Trauergäste an den Wänden entlang stehen mussten, und sie wollte nicht den Gottesdienst stören, indem sie sich einen Weg zu ihm bahnte. Als die Zeremonie vorüber war, hatte er sich lange mit einem Teenager unterhalten, den Anne schließlich als seine Enkelin Marianna wiedererkannt hatte – und plötzlich war er weg.
Nun tröstete sie sich damit, dass er bestimmt ohnehin noch nicht viel Neues zu berichten hatte seit der Pressekonferenz, als Iris gefunden worden war. Dabei hatte er an die Presse appelliert, ihre Familie nicht zu stören, die das Schlimmstmögliche erlebt hatte, was eine Familie sich vorstellen konnte, und selbstverständlich in tiefer Trauer war. Anne hatte gestern Abend einen etwas anderen Eindruck gehabt. Natürlich hatten August, Kaja und ihr Sohn Jakob während der Zeremonie Tränen der Rührung in den Augen gehabt, aber wer hatte das nicht? Sie selbst eingeschlossen. Als sie den leuchtenden Strom Fackeln sah auf dem Weg, den Iris nach Hause genommen hatte, war der Kloß in ihrem Hals so groß geworden, dass ihre Interviews mit den Teilnehmern des Zuges warten mussten, bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte – und sie hatte Iris nicht mal gekannt.
„Bist du bald fertig?“, fragte Jytte Thomson und riss sie jäh aus ihren Gedanken. Anne war dabei, einen Bericht über einen weiteren Überfall auf dem Brabrandpfad zu redigieren, wo ein junger Mann niedergeschlagen und seines neuen iPhones und Portemonnaies beraubt worden war. Es gab also noch über anderen Kriminalstoff in der Stadt zu berichten als ausschließlich über die beiden Mordfälle.
„Ja, gleich. Warum?“
„Ich habe eine Besprechung mit dem Nachrichtenchef gehabt. Wir sollen in der kommenden Zeit den Fokus auf ein Thema legen, zusammen mit dem Hauptkanal.“
Jytte setzte sich an ihren Platz und spielte mit ihrem roten Kugelschreiber, der zu ihrem Brillengestell, dem Nagellack und ungefähr zu der Farbe der roten, lockigen Haare passte.
„Es geht um das Selbstwertgefühl der Jugendlichen und Mobbing. Immer mehr – selbst Kinder im Teenageralter – unterziehen sich plastischen Operationen, weil sie mit ihrem Aussehen nicht zufrieden sind. Es ist der Kampf darum, perfekt zu sein, auf den wir den Fokus legen sollen. Es muss ans Licht kommen, wie schwer viele Jugendliche es damit haben. Und du sollst mir helfen, Anne.“
Anne runzelte die Stirn.
„Und