Unbestreitbare Wahrheit. Mike Tyson

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Unbestreitbare Wahrheit - Mike  Tyson

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er.

      „Ich will Boxer werden“, erwiderte ich.

      „Das wollen die anderen Jungs auch. Aber sie haben nicht den Mumm, daran zu arbeiten“, erwiderte er. „Wenn du dein Strafregister in Ordnung bringst, dich nicht wie ein Arschloch aufführst und etwas mehr Respekt zeigst, arbeite ich vielleicht mit dir.“

      Ich gab mir wirklich alle Mühe. Was schulische Leistungen betraf, war ich weit und breit die größte Niete, aber für einen ehrenvollen Platz auf der Liste sagte ich jetzt brav „Ja, Sir“ und „Nein, Ma’am“ und benahm mich wie ein Musterschüler, um mit Stewart trainieren zu dürfen. Ich benötigte einen Monat, um genug Pluspunkte zu sammeln, um boxen zu dürfen. Alle Kids versammelten sich, um zu sehen, ob es mir gelang, ihn zu besiegen. Ich war überaus zuversichtlich, dass ich ihn besiegen würde, und dann würden alle vor mir kriechen.

      Sofort fing ich an, wild auf ihn einzuschlagen, ihn mit Hieben zu traktieren, und er ging in Deckung. Ich bearbeitete ihn mit Schlägen und Hieben. Doch plötzlich schlüpfte er an mir vorbei und rammte mir seine rechte Faust in den Magen.

      Booosh, uggghh. Mir kam mein gesamtes Essen der letzten beiden Jahre hoch.

      Zu der Zeit hatte ich noch keine Ahnung vom Boxen. Heute weiß ich, dass man ein paar Sekunden lang keine Luft bekommt und außer Gefecht gesetzt ist, wenn man einen Fausthieb in den Magen bekommt. Aber das legt sich, was ich damals noch nicht wusste. Ich dachte allen Ernstes, ich würde nie wieder atmen können und sterben. Ich versuchte verzweifelt, Luft zu holen, aber ich konnte lediglich kotzen. Es war grauenhaft.

      „Steh auf und hör auf damit!“, bellte er.

      Nachdem alle gegangen waren, näherte ich mich ihm in aller Demut. „Entschuldigen Sie, Sir, können Sie mir bitte beibringen, wie ich das richtig mache?“, fragte ich. Ich malte mir aus, dass ich irgendeinem Dreckskerl einen solchen Fausthieb in den Magen verpassen würde, wenn ich wieder in Brownsville wäre. Dieser würde dann zu Boden gehen, und ich hätte ihn besiegt. Genau das ging mir im Kopf rum.

      Irgendwie mochte mich Mister Stewart, denn nach unserer zweiten Sitzung sagte er zu mir: „Willst du das wirklich ernsthaft betreiben?“ Also fingen wir an, regelmäßig zu trainieren. Nach unserem Training übte ich später in meinem Zimmer die ganze Nacht lang Schattenboxen. Ich wurde immer besser. Damals wusste ich es noch nicht, aber während einer unserer Sparring-Sessions verpasste ich Bobby einen Schlag, der ihm die Nase brach und ihn fast k.o. geschlagen hätte. Er pausierte eine Woche lang, um seine Nase ausheilen zu lassen.

      Nach ein paar Monaten Training rief ich meine Mutter an und reichte ihm den Hörer. „Sag’s ihr, bitte“, drängte ich ihn. Ich wollte, dass er ihr erzählte, wie gut ich mich schlug. Ich wollte einfach, dass sie wusste, dass ich etwas auf die Beine stellte. Ich dachte mir, sie glaube mir eher, wenn ein Weißer es ihr sagt. Aber sie erklärte ihm lediglich, dass sie kaum glauben könne, dass ich mich geändert hätte, und fand, ich sei unverbesserlich.

      Kurz danach kam Bobby zu mir, denn er hatte eine Idee. „Ich will dich mit dem legendären Boxtrainer Cus D’Amato zusammenbringen. Er kann dich ein Stück weiterbringen.“

      „Was zum Teufel geht hier vor?“, fragte ich. Damals war Bobby Stewart der Einzige, dem ich traute. Und nun wollte er mich an jemand anderen weiterreichen?

      „Vertrau diesem Mann“, erklärte er mir.

      An einem Wochenende im März 1980 fuhren Bobby und ich nach Catskill, New York. Cus’ Trainingshalle war ein umgebauter Versammlungsraum und befand sich über der städtischen Polizeiwache. Da es keine Fenster gab, kam das Licht von ein paar altmodischen Lampen. An den Wänden hingen Poster und Zeitungsausschnitte von erfolgreichen Jungs aus der Umgebung.

      Cus sah genauso aus, wie ein hartgesottener Boxtrainer aussehen sollte. Er war klein und stämmig, weißhaarig und strahlte Stärke aus. Aber er blickte sehr ernst und zeigte keinerlei Lächeln.

      „Hallo, wie geht’s? Ich bin Cus“, stellte er sich mit starkem Bronx-Akzent vor. Teddy Atlas, ein jüngerer Trainer, war ebenfalls anwesend.

      Bobby und ich gingen in den Ring und begannen mit dem Sparring. Ich ging gleich ins Volle, jagte Bobby durch den Ring. Gewöhnlich absolvierten wir drei Runden, aber mitten in der zweiten Runde versetzte mir Bobby ein paar rechte Haken auf die Nase, und ich fing an zu bluten. Es tat nicht wirklich weh, doch mein Gesicht war blutverschmiert.

      „Das reicht“, meinte Atlas.

      „Sir, bitte, lassen Sie mich die Runde beenden und noch eine weitere kämpfen. Das ist unser Ritual“, bettelte ich, denn ich wollte Cus beeindrucken.

      Und ich glaube, es gelang mir. Als wir den Ring verließen, sagte Cus zu Bobby: „Er hat das Zeug zu einem Weltmeister im Schwergewichtsboxen.“

      Nach dieser Sparring-Session gingen wir zu Cus nach Hause zum Lunch. Er wohnte in einem großen viktorianischen Haus auf einem vier Hektar großen Grundstück. Von der Veranda aus konnte man auf den Hudson River blicken. An der Seite des Hauses wuchsen große Ahornbäume und üppige Rosenbüsche. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie ein solches Haus gesehen.

      Wir nahmen Platz, und Cus meinte, er könne kaum glauben, dass ich erst 13 sei. Und dann malte er mir meine Zukunft aus. Er hatte mich ja kaum sechs Minuten kämpfen sehen, aber alles klang ganz überzeugend aus seinem Mund.

      „Du hast eine blendende Figur abgegeben“, sagte er. „Du bist ein großer Boxer.“ Und er überschüttete mich mit Komplimenten. „Wenn du auf mich hörst, kann ich aus dir den jüngsten Schwergewichts-Boxer aller Zeiten machen.“

      Fuck, wie konnte er einen solchen Scheiß verzapfen? Ich hielt ihn für einen Perversen. In der Welt, aus der ich kam, geben die Leute solchen Bullshit von sich, wenn sie dir einen blasen wollen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Noch nie zuvor hatte jemand etwas Nettes über mich gesagt. Ich wollte gern bei dem alten Knaben bleiben, denn er vermittelte mir ein gutes Gefühl. Später erkannte ich, dass das Cus’ Masche war. Man redet einem schwachen Mann ein, stark zu sein, und dieser wird süchtig danach.

      Auf der Rückfahrt nach Tyron konnte ich mich kaum beruhigen. Ich saß da mit einem Rosenstrauß von Cus auf dem Schoß. Ich hatte noch nie echte Rosen gesehen, immer nur im Fernsehen, aber ich wollte unbedingt welche haben, weil sie so exquisit aussahen. Ich hatte ihn gefragt, ob ich welche mitnehmen dürfe, weil ich etwas Schönes mit zurücknehmen wollte. Die Rosen dufteten wunderbar und Cus’ Worte klangen mir noch in den Ohren. Es kam mir vor, als ob sich die ganze Welt plötzlich verändert hätte, und in diesem Moment wusste ich, dass aus mir noch was werden würde.

      „Ich glaub, er mag dich“, sagte Bobby. „Wenn du kein Scheißkerl und kein Arschloch bist, wird es gutgehen.“ Bobby freute sich offensichtlich für mich.

      Ich kehrte in mein Cottage zurück und stellte die Rosen in eine Vase. Cus hatte mir eine riesige Box-Enzyklopädie mitgegeben, die ich mir anschauen sollte, und ich konnte die ganze Nacht kein Auge zutun, denn ich las das Buch in einem Zug durch. Ich erfuhr von Benny Leonard, Harry Greb und Jack Johnson. Das hat mich echt aufgeputscht. Ich wollte sein wie sie, sie schienen sich an keine Regeln zu halten. Sie arbeiteten hart, aber dann gab es auch Phasen, in denen sie es sich gutgehen ließen, und sie wurden wie Götter verehrt.

      Ich fing an, jedes Wochenende zum Training zu Cus zu gehen. Erst trainierte ich mit Teddy in der Sporthalle, und dann ging ich zu Cus. Er lebte mit Camille Ewald, einer reizenden Ukrainerin, zusammen. In ihrem Haus wohnten auch noch andere Boxer. Als ich das erste Mal dorthin ging, klaute ich Geld aus Teddys Geldbörse. Solche Gewohnheiten gibt man nicht einfach

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