Nixentod. Thomas L. Viernau

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Nixentod - Thomas L. Viernau

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speziell die direkt an der Oder gelegenen Örtchen hatten aufgerüstet.

      Die etwas mehr im Land gelegenen Kolonistendörfer mit den typischen einstöckigen Fachwerkhäusern und Dreiseitenhöfen waren allerdings noch verschont geblieben von diesem Boom.

      Seit Jahren kam Linthdorf immer in eines dieser Dörfer zum Apfelkauf. Ein Obstbauer bot frisch gepflückte Äpfel und auch seinen äußerst wohlschmeckenden naturtrüben Apfelsaft zu erschwinglichen Preisen an. Durch Zufall war Linthdorf darauf aufmerksam geworden, als er sich vor ein paar Jahren im Hochsommer schon einmal hierher verirrt hatte. Seitdem gehörte ein Besuch beim Apfelbauern von Neulietzegöricke mit dazu. Im selben Ort fand sich auch die alte Dorfkneipe mit dem lustigen Namen »Zum feuchten Willi«.

      Ein schöner Fachwerkbau, direkt am Dorfanger gelegen, behutsam renoviert, im Innern jedoch noch mit dem Flair eines alten Fünfzigerjahregasthofs. An den Wänden alte Fotos von der Wirtsfamilie, Dorfansichten aus der Vorkriegszeit und Bilder vom letzten Hochwasser, als das halbe Oderbruch unter Wasser stand. Die Speisekarte war übersichtlich, bestand nur aus einem Blatt, darauf fünf Gerichte und eine Vorsuppe. Im Winter reduzierte sich der Ausflugsverkehr auf ein paar Enthusiasten.

      Zufrieden saßen die beiden an einem kleinen Ecktisch, vor sich zwei Teller mit gebratenem Oderhecht. Krespel wühlte in seiner Kartenmappe herum, suchte irgendetwas zur Gegend.

      Linthdorf winkte ab. »Lass ma, wir können ja von hier aus oderaufwärts zuckeln, und wo es schön ist, machen wir einfach halt.«

      In Gedanken war er schon in Kienitz. Irgendetwas war ihm bei den Fundorten nicht ganz geheuer. Die Tüte mit den Klamotten war so weit abgetrieben worden und die Leiche der Frau verblieb fast am Ortseingang von Kienitz.

      Wenn die Angaben des etwas verstörten Hansi Kraeft stimmen sollten, wäre das ein noch zu klärendes Rätsel. Er wollte die Strömung der Oder bei Kienitz testen. Dazu hatte er im Kofferraum ein paar leere Plastikflaschen mit Angelsehnen ausgerüstet liegen.

      Nach dem üblichen Pott Kaffee brachen die beiden auf. Linthdorf schlug einen einspurigen Weg direkt am Oderdeich ein.

      Es war derselbe, den er vor ein paar Tagen mit Moser schon einmal befahren hatte. Die Gegend kam ihm jetzt völlig anders vor. Der Oderdeich war nur noch ein schmutzigbrauner Hügel, hatte das Majestätische durch den Verlust der Schneekrone eingebüßt.

      Er parkte den Wagen wieder an derselben Stelle wie vor ein paar Tagen, holte die Plastikflaschen aus dem Kofferraum und trabte los. Krespel folgte ihm mit etwas Abstand, die Plastikflaschen waren ihm doch etwas peinlich. Aber Linthdorf war gegen solche Nichtigkeiten immun. Fröhlich pfeifend schlidderte er den Oderdeich hinunter ans Ufer und beobachtete den Fluss.

      Gemeinsam trabten sie dann Richtung Kienitz, den Schornstein vom Heizkraftwerk immer im Blickfeld. Nach einer fast vierzigminütigen Strecke waren sie an der Stelle angekommen, wo die Feuerwehr die Leiche entdeckt hatte. Der Fluss hatte hier ein paar Sandbänke gebildet, die den Strömungsverlauf stark veränderten. Strudel bildeten sich, und es gab Stellen im seichten Wasser, in denen keinerlei Strömung mehr zu spüren war. Linthdorf trabte noch ein paar Meter weiter Richtung Dorf, warf an einer flachen Stelle seine Plastikflaschen in den Fluss, darauf achtend, dass die Angelsehnen sich nicht verhedderten. Die bunten Flaschen torkelten auf den Wellen, trieben Richtung Flussmitte. Linthdorf musste sein ganzes Angelsehnenknäuel aufdröseln. Erstaunt über die hohe Fließgeschwindigkeit trabte er auf dem Deich neben den tanzenden Plastikflaschen her.

      Fünfhundert Meter flussabwärts tauchte die Sandbank auf, an der die Leiche gefunden wurde, die Flaschen torkelten jedoch im großen Bogen an dieser Sandbank vorbei, hielten sich eher noch Richtung polnisches Ufer. Linthdorf pfiff leise. Er ließ die Flaschen weitertreiben, beobachtete die Strömung dabei. Irgendwie hatte er den Eindruck, dass der Fluss immer schneller wurde.

      Inzwischen war er in einen leichten Trab übergegangen, um mit der kleinen Flotte mithalten zu können. Krespel folgte im großen Abstand und fotografierte die tanzenden Flaschen mit seiner Digitalkamera. Nach knapp einer Viertelstunde trieben die »Schiffchen« wieder Richtung deutsches Ufer, verfingen sich im Geäst einer überhängenden Weide und warteten auf ihren Meister. Linthdorf stellte erstaunt fest, dass hier auch die Plastiktüte mit den Kleidungsstücken und der alten Handtasche gefunden worden war.

      Er rollte seine Angelsehne wieder auf, barg die Flaschen und winkte Krespel herbei.

      »Irgendwas stimmt hier nicht. Entweder hat sich die Strömung des Flusses in den letzten drei Wochen total geändert oder jemand hat etwas manipuliert. Es sollte so aussehen, als ob die Leiche hier angeschwemmt worden sei. Aber wenn man die Strömung betrachtet, kann an dieser Sandbank nichts angeschwemmt worden sein.«

      Krespel schaute zweifelnd zu seinem großen Freund auf: »Kann das durch die Eisschollen nicht ganz anders gelaufen sein?«

      »Wir müssen da noch mal einen Experten befragen. Vielleicht gibt es ja Leute, die davon Ahnung haben, Flussschiffer, Wasserpolizei, Zollbeamte, was weiß ich!«

      Die Oder hatte durch das trübe Licht eine fast schwarze Farbe angenommen.

      Ein Frösteln überkam Linthdorf beim Beobachten des Flusses. Die sonst so gelassene Melancholie, die man bekam, wenn man am Oderufer entlanglief, wollte sich an diesem Samstagmorgen nicht einstellen. Das polnische Ufer war nur zu ahnen als dunkler Streifen im Nebel. Als ob hier die Welt zu Ende war. Leichter Nieselregen durchnässte nach und nach den Mantel und setzte sich auf dem Hut als silberner Wasserfilm ab. Er gab Krespel einen Stups.

      »Komm weg hier, sonst holt uns noch der Wassernix!«

      Im Laufschritt trabten sie zum Auto und tuckerten den Weg zurück in die Zivilisation. Zum Aufwärmen kehrten sie im Dorfkrug von Kienitz ein. Der Wirt erkannte Linthdorf sofort.

      »Ah, der Herr Kommissar – wieder mal auf Verbrecherjagd. Haben se denn nun schon was rausbekommen?«

      Linthdorf winkte ab.

      »Nee, heute bin ich privat hier. Wir waren am Fluss. Ein paar Aufnahmen machen.« Er deutete auf die Fotokameras und ließ sich die Tageskarte geben.

      Der Gastraum war menschenleer, nur vorn am Tresen saß eine kleine Gestalt. Am liebsten wollte der kleine Mann gar nicht gesehen werden, so klein machte sie sich. Linthdorf hatte ihn schon beim Eintreten bemerkt. Es war Hansi Kraeft, der als Schatten seiner selbst mehr auf dem Tresen hing, denn danebenstand.

      Linthdorf beachtete ihn nicht weiter, schielte aber dennoch immer mal hinüber. Vor Kraeft stand ein großes Glas mit einem roten Saft, konnte Kirsche oder auch Johannisbeere sein. Kraefts Hände zitterten beim Anheben des Glases, welches er in gierigen Schlucken austrank. Er trabte schnellen Schrittes, ohne zu grüßen, zum Ausgang.

      Linthdorf wandte sich dem Wirt zu. »Probleme?«

      Dabei nickte er mit dem Kopf Richtung Ausgang.

      Der Wirt zuckte mit den Schultern.

      »Hansi ist die ganze Zeit schon schräg drauf. Keiner weiß, was mit ihm los ist. Er weicht allen aus und scheint nervlich ziemlich angeschlagen zu sein. Hängt wohl mit dem Geburtstag seiner Mutter zusammen, da schleicht er auch immer auf dem Friedhof rum und sitzt stundenlang vorm Grab.«

      »Wie war das denn damals mit dem Tod seiner Mutter?«

      »Na ja, is ja nu auch schon wieda ne Zeitlang her. Das war im Sommer 97, als wir das große Hochwasser hatten und das ganze Oderbruch unter Wasser stand. Überall in den Häusern stand zwei Meter hoch

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